Nachruf: Joachim Horn ist tot

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Joachim Horn

Schwalmstadt. Die Familien Horn und Bauer sowie die Belegschaft des Unternehmens im In- und Ausland trauern um den Gründer des Unternehmens Horn und Bauer Folientechnik in Treysa. Joachim Horn folgte nur wenige Wochen nach ihrem Tod seiner Frau und starb mit 84 Jahren.

Geboren wurde Horn am 22. Juli 1928 in Dresden, wo zwei Jahre zuvor sein Vater 1924 Papier Horn gegründet hatte. „Sein Vater, der im zerbombten Dresden nach dem Krieg noch versuchte, das teilweise zerstörte Unternehmen wieder aufzubauen, ahnte, dass es in dem sowjetisch besetzten Teil Deutschlands schwer werden wird, das Unternehmen unter den politischen Bedingungen zu erhalten“, heißt es in einer Unternehmensmitteilung. Anders als einigen Mitabiturienten war es Joachim Horn in den Nachkriegswirren nicht vergönnt, zu studieren. Sie erzählten später, er habe über eine extrem hohe praktische Intelligenz verfügt.

Als Joachim Horn 1948 in die Schwalm kam, habe er nicht mehr gehabt als eine Adresse einer Mitarbeiterin seines Vaters und den Auftrag, aus dem Nichts ein Standbein im Westen zu gründen. In den Anfängen belieferte man die Einzelhändler in der Schwalm mit Verpackungsbedarf. Über Jahre wurden immer wieder neue, erfolgreiche Produkte entwickelt.

Früh begann Horn, eigene Produkte zu erfinden, um Probleme in speziellen Kundengruppen zu lösen. Mit dem damaligen Fahrradhändler und -werkstattinhaber Stehl baute er eine Hülsenwickelmaschine, die Hülsen aus Papier wickelte und verleimte, um Thermometer für verschiedene Einsatzzwecke sicher zu verpacken. Als Filzhüte Mode waren, baute er eine Maschine, die dünne Folien zu einer Hutschutzhülle formten. Um die kreisrunde Krempe auszuschneiden, fuhr das Messer dabei mit dem Motor einer elektrischen Eisenbahn. „Wir Kinder freuten uns über die Karosserie des Märklinzuges, denn so tolle Spielzeuge gab es sonst nicht“, erinnert sich Sohn Jörg Horn, der mit seiner Schwester Felicitas Bauer die Aufbaujahre als Kind miterlebte.

Bald spezialisierte man sich im Automobilbereich auf den Sitzschutz und konfektionierte viele Schutzartikel in diesem Umfeld, in dem man heute eine weltweite Marktführerschaft inne hat, teilte das Unternehmen weiter mit. Geschützt wurden die Ideen durch weit über 100 Patente im In- und Ausland, internationale Kundschaft traf man zunehmend auf internationalen Messen. Immer neue Anstöße inspirierten Joachim Horn mit seinen Mitarbeitern zu neuen Produkten. Auch im hohen Alter und trotz Gehbehinderung habe er mit seinem Elektromobil die Mitarbeiter an den Maschinen aufgesucht, um sich nach dem neuesten Stand aber auch Persönlichem zu erkundigen. Für seine Verdienste um Ausbildungs- und Arbeitsplätze und die Region erhielt Horn die Ehrenplakette der Stadt Schwalmstadt.

Mit 350 Mitarbeitern, drei Produktionsstandorten in Deutschland und drei Tochtergesellschaften in England, Frankreich und Spanien ist aus den Anfängen ein weltweit anerkanntes Unternehmen geworden. Die Nachfolgergeneration des Familienunternehmens, die das operative Geschäft seit vielen Jahren übernommen hat, trauere um ihren Senior. Joachim Horn starb unerwartet am 12. Mai.

Die Urnenbeisetzung findet im engsten Kreis der Familie statt. (aqu)

Quelle: HNA

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