Der nächste Versuch: Hotel Nägel zu verkaufen

Fritzlar. Seit vielen Jahren steht das Hotel Nägel in Fritzlar leer. Donnerstagabend wollen die Stadtverordneten beraten, wie sie Investoren unterstützen können, damit der Leerstand beendet wird.

Willy Brandt war da. Er stand vorm Hotel Nägel und sprach zu einigen tausend Menschen auf dem Fritzlarer Marktplatz. Ende der siebziger Jahre war das. Monica Werner aus Pennsylvania war auch da. Vor ein paar Tagen war das. Ihre Großeltern hatten vor 60 Jahren das Hotel gepachtet.

Doppelhaus: Das linke Gebäude des Hotel Nägel wurde 1905 erbaut, das rechte im 17. Jahrhundert. Fotos:  Berger

Der Prachtbau auf dem Fritlarer Marktplatz, vor dem einst Willy Brandt seine Wahlrede gehalten hatte, ist immer noch zu haben. Wie Karl-Otto Winter (Fritzlar), Vorstandsmitglied der Kreissparkasse, auf Anfrage sagte, stehe das Institut als Eigentümer in Verhandlungen mit Interessenten, die in das Hotel investieren wollen und auch darüber nachdenken, es zu betreiben. Sie kommen aus Nordhessen, und es handelt sich nicht um eine Kette. Noch dieses Jahr, so hofft Winter, wird es eine Entscheidung geben.

Um den möglichen Geldgebern das Angebot schmackhaft zu machen, gibt es Zuschüsse vom Land Hessen. Das Objekt steht in einem Landesprogramm, das „Aktive Kernbereiche“ heißt. Auf dieser Liste soll es, wenn das Parlament so entscheidet, ganz nach vorn gerückt werden. Damit könnte, so meint Bürgermeister Karl-Wilhelm Lange, ein Signal für Investoren gesetzt werden.

Die geschätzten Sanierungskosten liegen

• bei 1,6 Millionen Euro.

• Für knapp eine halbe Million Euro könnte es Zuschüsse von vielleicht

• 70 Prozent geben. Das wären etwas über 300 000 Euro.

Wie es weitergeht, ob dieses Zuschusssignal funktioniert, da wag der Bürgermeister keine Prognose. Zu oft schon waren angebliche Investoren kurz vor der Unterschrift, zu oft schon haben sie im letzten Moment einen Rückzieher gemacht.

Das Hotel Nägel und seine unendliche Geschichte. Vor genau fünf Jahren fielen die Plastikhüllen und gaben den Blick auf eine glänzende Fassade erster Güte frei. 14 Monate lang waren die beiden Häuser aus dem frühen 20. Jahrhundert und aus dem 17. Jahrhundert saniert worden, um die Substanz zu erhalten. Das Dach, die tragenden Teile, die Fundamente, alles was wichtig war, ist neu. Nur der Eigentümer nicht.

Seit vielen Jahren bemüht sich die Kreissparkasse um Geldgeber, die aus dem schmucken Traditionshaus wieder ein Hotel machen. Bevor das Kreditinstitut einstieg, hatte eine Investorengruppe kein Glück bei der Vermarktung, so dass es zur Zwangsversteigerung kam. Doch der Hauptgläubiger, die Sparkasse, hatte Pech. Niemand wollte das Objekt haben.

Quelle: HNA

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