Weicher Boden am Wieragrund: Stützmauerbau ist Herausforderung

Katapult: Mit dem Gerät rechts im Bild werden die Bodennägel im 18-Grad-Winkel zur Stabilisierung in den Hang gerammt, ganz links Polier Mark Räthel, daneben Bauleiter Helmut Lengemann. Fotos:  Quehl

Schwalmstadt. Über 600 Bodennägel werden in das Gelände unterhalb des Treysaer Bahnhofs gedübelt, deutlich mehr, als ursprünglich geplant. Die so unspektakulär „Nägel“ genannten Stahlstangen sind je zehn Meter lang, sie werden im 18-Grad-Winkel ins Erdreich gebohrt, verpresst und zementiert.

Davor wird eine stahlbewehrte Spritzbetonwand gepackt. Von oben nach unten arbeiten sich Arbeiter voran und entsteht der gewaltige Einschnitt ins Gelände. In etwa acht Wochen soll die monumentale Stützmauer fertig sein. „Die kann man sich wie einen riesigen Schwergewichtsblock vorstellen“, erklärte Polier Mark Räthel von der Firma Himmel und Papesch (Bebra): 107 Meter lang, zwischen 8,50 Meter und 11,50 Meter hoch.

Inzwischen sehen die Fachleute keine Probleme mehr, sind zuversichtlich, dass die Konstruktion plangemäß fertig wird. Zwischendurch schien das wohl nicht immer sicher. Denn, wie Bauleiter Helmut Lengemann bei einer Baustellenbesichtigung mit der HNA schilderte, bildete sich bald nach Beginn der Arbeiten auf dem Bahnplateau ein meterlanger Riss, beginnend an dem noch nicht abgerissenen Bahnwiegehäuschen. Das kleine Backsteingebäude neigte sich zugleich sichtbar in Richtung Baugrube. Von der Abbruchkante verläuft der Riss parallel in etwa fünf Metern Abstand. Trotz Zementverfüllung gegen das Eindringen von Regenwasser ist er nach wie vor gut zu erkennen. Und seither würden über die Mauer lebhafte Gerüchte kursieren, weiß Bauleiter Lengemann.

Fotos: Baustelle am Wieragrund: So sieht es aktuell aus

Baustelle am Wieragrund: So sieht es aktuell aus

Tatsache ist, so der Bauleiter, dass die Arbeit im Winter sicherheitshalber für einige Zeit eingestellt, ein zusätzliches Bodengutachten bei einem hochspezialisierten Universitätsprofessor in Auftrag gegeben wurde. Das liegt zwar schriftlich noch nicht vor, doch habe „Bodenpapst“ Prof. Karl Josef Witt (Weimar) inzwischen sein mündliches Okay gegeben. Eine Neigung von fünf Prozent halte Witt für möglich und verkraftbar, „das wäre über zehn Meter Höhe immerhin ein halber Meter“, rechnet der Bauleiter vor. Letztlich finden die Baufachleute das inzwischen vernachlässigbar, weil die Rückwand des Einkaufszentrums nicht mit der Stützmauer verbunden sein wird, dazwischen soll eine etwa ein Meter breite Baulücke bestehen bleiben.

Die Setzungen werden während der ganzen Bauzeit weitergehen, vermute der Weimaeraner Professor, danach jedoch abklingen, berichtet Lengemann. Anhand der eingelassenen Vermessungspunkte sei die Bewegung ablesbar, bei Regen seien die Setzungen stärker.

Mit etwa 500.000 Euro geben die beiden Fachleute den Preis des Projekts Stützmauer an. Sie dient letztlich dem Bau der Straße, die oben verlaufen wird, bezahlt wird sie von den Investoren des Einkaufszentrums.

Von Anne Quehl

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Quelle: HNA

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