Mehr als 20 Jahre war Manfred Buse Pfarrer in Trutzhain – morgen wird er 70

Er nahm Gottes Prüfung an

Liebe zur Literatur: Im langen Flur seiner Trutzhainer Wohnung hat sich Manfred Buse eine umfangreiche Bibliothek eingerichtet. Foto: Rose

Trutzhain. Mehr als sein halbes Leben hat Manfred Buse in Trutzhain verbracht. Vor 36 Jahren kam der katholische Geistliche als Seelsorger in die Schwalm – und blieb. Morgen feiert der Pfarrer im Ruhestand seinen 70. Geburtstag.

„Ich war der erste Geistliche in Trutzhain, der nicht aus der Heimat kam“, erzählt er mit Blick auf die besondere Geschichte des Dorfes. Vorher hatte Buse mehrere Jahre als Berufsschulpfarrer in Marburg gewirkt. „Aber in Gottesdiensten war ich da nicht mehr gefragt – das hat mir gefehlt“, sagt er.

„Ich bin kein angepasster Typ, der allen nach dem Mund redet.“

Manfred Buse

Außerdem habe es in der Schwalm keine solchen Grabenkämpfe zwischen konservativen und progressiven Gläubigen wie in der Universitätsstadt gegeben. Die Zeit in Marburg habe ihn eines gelehrt: „Wenn man nur Freunde hat, ist es nicht gut. Wenn man nur Feinde hat, aber auch nicht – ich bin kein angepasster Typ, der allen nach dem Mund redet.“

Manfred Buse fühlt sich in Trutzhain wohl. Er kümmert sich um die Gemeinde, unterrichtet im Steinatal und am Schwalmgymnasium. Als Gefängnisseelsorger öffnen sich ihm die Türen der JVA Ziegenhain. Hier verändert sich am 18. November 1980 sein Leben. Ein Häftling verübt ein Brand- und Säureattentat auf den Geistlichen. Wochenlang schwebt der Pfarrer zwischen Leben und Tod. „Die Lebenserwartung lag bei 15 Prozent“, erzählt er. „Das war meine früheste Begegnung mit einem islamistischen Fanatiker.“ Und: „Er wusste nicht, was er tut.“

Nach vielen Operationen und Hauttransplantationen tritt der Pfarrer 1982 wieder seinen Dienst an. Im Nachhinein danke er Gott für diese Prüfung: „Das hatte nichts mehr mit dem anstudierten Gottvertrauen zu tun, sondern war eine existentielle Erfahrung, die mich Gott näher gebracht hat.“ Vielleicht sei er deshalb bis heute Anlaufstelle für innerlich und äußerlich Verwundete. „Meine Dünnhäutigkeit hat Vor- und Nachteile: Ich bin reizbar, aber auch sensibel.“

In Trutzhain fühlt sich der Pfarrer auch im Ruhestand wohl. „Hier stimmt das Umfeld.“ Sein Wort werde geschätzt und gehört. Menschen zu begegnen, dass ist dem Gläubigen immer noch wertvoll und wichtig. „Aber nicht, um gleich mit der Tür ins Haus zu fallen – ich spreche nur über Gott, wenn mich jemand danach fragt.“

Manfred Buse engagiert sich in der Frauenseelsorge, in der Fraternität für Langzeitbehinderte, ist Vorsitzender der deutschen Gesellschaft für Harntherapie, leitet Fasten- und Bildungsseminare. „Ich beschäftige mich mit Theologie und Naturheilverfahren“, erklärt der bekennende Vegetarier.

Seinen Geburtstag wird er am Sonntag mit der Familie bei seiner Schwester am Bodensee feiern. „Ich bin erst in der Woche drauf wieder im Lande“, sagt er und grinst. „Nur, falls jemand Blumen schicken will.“

Von Sandra Rose

Quelle: HNA

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