Karsten Neumeyer und Uwe Werner sammeln Zinnfiguren – Große Dioramaschau

Napoleon fiel in Kirchberg

Niedenstein. Schreie verletzter Soldaten mischen sich mit Kampflärm. Pulverdampf zieht über das Schlachtfeld. Der große Napoleon Bonaparte schickt seine Alte Garde in die Schlacht. Preußische Landwehrtruppen rücken vor. Dieser Ausschnitt der Völkerschlacht bei Leipzig (1813) der Napoleonischen Kriege findet in einem Keller in Kirchberg statt. Auf einem Holzbrett.

Karsten Neumeyer (47) und Uwe Werner (50) sind Strategen, Hobbyhistoriker, Künstler und ganz schön verspielt. Sie besitzen zig tausende Zinn- und Plastikfiguren. Zwischen 16 und 20 Millimeter sind die naturgetreu bemalten Soldaten groß.

Bemalt in akribischer Handarbeit. Bis zu einer Stunde sitzen die beiden an einem Römer oder einem sächsischen Grenadier. Ein General dauert auch mal etwas länger. Die Figuren werden sogar verändert. Kopf ab, Stahlstift rein, Kopf gedreht. Fertig.

„Wir haben sehr genaue Vorstellungen, wie ein gewisses Bild aussehen soll“, sagt Uwe Werner. Nicht immer könne man kaufen, was man benötige. Bis zu zwei Euro kosten die großen Figuren, 60 Cent die kleinen. „Plastikfiguren im Beutel mit 40 Stück gibt es bereits ab etwa acht Euro“, klärt Neumeyer auf.

Ausstellung in Bergheim

Wie beeindruckend das Diorama in Karsten Neumeyers Keller ist, erfährt man erst, wenn man sich auf Augenhöhe mit den Soldaten begibt und den Blick über die Szenerie schweifen lässt. Mägde warten an einer Brücke, und an einer Flussbiegung entsteigt eine Nixe den Fluten. An allen Ecken und Ende gibt es etwas zu entdecken.

Der Öffentlichkeit präsentieren Uwe Werner und Karsten Neumeyer dieses und andere Dioramen während der 950-Jahrfeier in Spangenberg-Bergheim vom 11. bis 14. August. 100 Quadratmeter groß ist die Scheune, die sie in eine Ausstellung mit ihren Arbeiten verwandeln werden.

Werner hat seinen Schwerpunkt in der Antike. Bei ihm treten Römer gegen Germanen an (um Christi Geburt) und Römer gegen Karthager (um 200 v. Chr.). Neumeyer ist ein Fan der Napoleonischen Zeit (um 1800).

Aber Karsten Neumeyer und Uwe Werner spielen auch: Mit ihren Figuren treten sie in fiktiven Schlachten gegeneinander an. Tabletop nennt sich das Spielprinzip. Übersetzen könnte man es mit „auf dem Tisch“. Es gibt zwar Regeln, „aber wir haben unsere natürlich selbst gemacht“, sagt Uwe Werner. Die beiden Freunden treffen sich regelmäßig mit einigen Soldaten im Gepäck. Da kommt es auch mal vor, dass Napoleon im Keller in Kirchberg fällt.

Die Frauen der beiden finden’s amüsant: „Dann wissen sie immerhin, wo wir sind“, sagt Neumeyer und lacht.

Quelle: HNA

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