Günsterode kämpft gegen die Verbuschung: Warten auf schnelles Internet

Blick auf den Ort: Durch Aufforstungen ist der Wald nahe an Günsterode herangerückt. Im Kampf gegen die Verbuschung haben es die Günsteroder schwer: Sie sind nämlich auch von der Stadt , Hessen Mobil, dem Forst und Privatleuten abhängig.

Günsterode. „Wir lieben es, im Grünen zu leben – aber die Natur macht uns Sorgen“, sagt Frank Heinemann, Ortsvorsteher von Günsterode. Denn der kleine Melsunger Stadtteil verschwindet langsam im Wald.

Von einer Anhöhe kann man gut sehen, was Heinemann meint: Aufgeforstete Flächen – gut erkennbar an ihrer gleichmäßigen Baumhöhe – haben den Wald Anfang der 90er-Jahre Richtung Ort vergrößert. Zwar ist die Aufforstung mittlerweile gestoppt, doch die Natur wächst weiter. Sichtbar wird dies durch die Verbuschung an den Straßen – zuständig dafür ist Hessen Mobil.

Die Folgen bekommen die Einwohner vor allem in Winter zu spüren: Die Sonne sei früh weg, es werde sehr schnell kalt. Auch Wildunfälle kommen oft vor.

Am Brunnen: (von links) Rainer Salzmann, Georg Kühlborn und Frank Heinemann. Fotos: Gehlen

Ansonsten halten sich die Sorgen der „Kohlensäcke“ – so werden die Bewohner des alten Köhlerdorfes genannt – aber in Grenzen: Entgegen dem allgemeinen Trend liegt die Einwohnerzahl stabil bei aktuell 340. Fünf Geburten in den vergangenen zwei Jahren – davon können andere Orte nur träumen. Auch die Situation der Feuerwehr ist ungewöhnlich: Der Nachwuchs sei da, es mangele eher an älteren, erfahrenen Kräften, sagt Ortsbeirat Rainer Salzmann. 15 aktive Brandschützer gibt es.

Die Infrastruktur wie Kanäle und Straßen ist in Günsterode in sehr gutem Zustand, weil der Ort ein Vorzeigeprojekt in der Dorferneuerung war. Seit zwei Jahren haben die Einwohner Ruhe: „Die Hausaufgaben sind gemacht“, sagt Heinemann. Beispielsweise sind die Schutzhütte und das Dorfgemeinschaftshaus neu – dadurch können die Tischtennisspieler wieder Heimspiele im DGH austragen, nachdem sie 14 Jahre lang nur auswärts antraten.

Leerstand gibt es auch in Günsterode: Etwa 10 von 100 Häusern werden nicht genutzt. Zu den auffälligsten gehört das so genannte „Dornröschenschloss“ im Ort. Das Haus wird seit Jahrzehnten vernachlässigt und ist fast komplett zugewachsen.

Doch Gespräche mit den Besitzern in Halle seien erfolglos geblieben. „Dabei ist das Haus von der Substanz sehr gut und ortsbildprägend“, sagt Georg Kühlborn, langjähriger Ortsvorsteher und letzter Bürgermeister von Günsterode.

Für Ärger sorgt aktuell die Internetverbindung. Die sollte per Funkhybrid-Lösung eigentlich ausgebaut sein. Mit 16 Mbit pro Sekunde wären die Einwohner dann so schnell unterwegs wie ihre Nachbarn in Kehrenbach.

Über eine Antenne auf dem Himmelsberg sollte die Verbindung seit Anfang des Jahres stehen. Allerdings gibt es noch Probleme mit der Statik des Turms. Wer sich wie Jörg Jakob auf Versprechungen des Anbieters verlassen und seinen alten Internetvertrag gekündigt hat, hängt in der Luft.

Wenn das schnelle Internet da ist, wollen die Günsteröder auch auf ihrem Internetauftritt richtig Gas geben. Bisher sei das Hochladen von Inhalten aber eine mühsame Sache.

Von Göran Gehlen

Quelle: HNA

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