Zierenbergerin Agnes Rose erzählt von der Pogromnacht

Pogrom: Nazis zerschlugen alles

Erzählt von der Pogromnacht: Agnes Rose, die heute im Altenheim lebt. Foto: privat/nh

Zierenberg. Wieder und wieder hat die Bäckersfrau Margarethe Schäfer die Geschichte von der Pogromnacht erzählt, so sehr haben sie die Vorgänge in der Nacht zum 9. November beschäftigt.

Am Krankenbett gesessen und zugehört hat ihre Schwiegertochter, die 77-jährige Agnes Rose aus Zierenberg, die Schäfer bis zu ihrem Tod pflegte. Ihre Schwiegermutter habe zu den Zierenberger Juden ein sehr gutes Verhältnis gehabt. Viele seien Kunden gewesen.

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Bäckerei und Wohnung von Margarethe Schäfer befanden sich direkt gegenüber der Synagoge in der Mittelstraße. Ihre Schwiegermutter habe in der Nacht mehrere junge Männer aus Zierenberg beobachtet, die sie kannte. Einige von ihnen seien ohne Väter aufgewachsen, weil die im Ersten Weltkrieg gefallen seien. „Diese Männer hatten wenig Berufschancen, eine Karriere bei der Wehrmacht erschien ihnen als Perspektive“, vermutet Agnes Rose. An dem Abend des 8. November hätten sich die Männer in einer Kneipe am Marktplatz Mut angetrunken.

Mindestens acht seien durch den Andachtsraum in die Synagoge eingedrungen. Ihre Schwiegermutter habe erzählt, dass der erste, der auf dem First saß und die Ziegel runter warf, der gewesen sei, der nach Kriegsende lautstark behauptet habe, er sei schon immer gegen Hitler gewesen.

„Sie gröhlten und zerschlugen alles“, berichtet Rose. Gegen zwei Uhr habe dann die Synagoge gebrannt. „Sie hatten Stroh als Zündmittel mitgebracht.“ Am Morgen des 9. November seien von dem jüdischen Gotteshaus nur noch Trümmer übrig gewesen. Schaulustige habe es in der Nacht nur wenige gegeben, und ein Großteil der Juden sei zu diesem Zeitpunkt schon nicht mehr in der Stadt gewesen.

Agnes Rose erinnert sich, dass ihr Vater ihr einige Jahre später verboten habe, in ein Nachbarhaus zu gehen, weil dort einer der Brandstifter wohnte. Ihr Vater sei ein christlicher Mensch gewesen, der damals Organist in der Kirche war. Er und noch andere Zierenberger hätten die Diskriminierung der Juden stark verurteilt.

Quelle: HNA

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