Naturschutzorganisationen kritisieren Laubsauger – Kommunen haben Räumpflicht

Nervig, aber notwendig

Lässt die Blätter fliegen: Max Hinterseher vom Bauhof der Stadt Gudensberg ist zurzeit mit seinem Laubbläser in der Nähe des städtischen Friedhofs im Einsatz. Foto: Kessler/nh

Schwalm-Eder. Sie sind laut wie ein Presslufthammer und nerven im Herbst: Die motorgetriebenen Laubbläser und -sauger. Ihr Einsatz ist umstritten, aber häufig alternativlos. Das sagen die Mitarbeiter der kommunalen Bauhöfe und weisen auf die Rutschgefahr durch Laub auf den Straßen und Gehwegen hin.

Kritik kommt vor allem von den Naturschutzverbänden: Die Gebläse blasen und saugen nicht nur das Laub, sondern auch kleine Tiere und Insekten und schädigen sie.

Tatsächlich produzieren die Verbrennungsmotoren der Geräte Abgase, die Kohlenmonoxid, Stickoxide und weitere Schadstoffe enthalten, ebenso wie die Abgase jedes Autos. Der Geräuschpegel von 100 Dezibel ist mit dem eines Presslufthammers vergleichbar. Schon eine Dauerbeschallung mit 85 Dezibel kann das menschliche Gehör dauerhaft schädigen, wie die Naturschutzorganisation BUND betont.

Gefahr für kleine Tiere

„Das größere Problem stellen die Laubsauger dar. Sie saugen nicht nur Laub und Schmutz an, sondern auch kleine Tiere und Insekten. Alles wird geschreddert, also getötet“, sagt Katrin Riegger, Pressereferentin des BUND.

Auch das Entfernen des Laubs an sich sei problematisch, da es als Lebensraum für Insekten diene, die wiederum Nahrung für die Vögel seien. Außerdem fehlt es an frischem Humus, wenn Laub und kleine Zweige nicht liegenbleiben und verrotten. Dies sei auch der Fall, wenn das Laub nicht aufgesaugt, sondern weggeblasen wird, sagt Riegger.

Trotz aller Kritik sind die öffentlichen Straßenreinigungen aber auf handliche Geräte angewiesen. In der Fußgängerzone sei es nicht möglich, mit großen Saugern oder selbstfahrenden Kehrmaschinen das Laub aus allen Winkeln zu bekommen. Besonders unter und zwischen Sitzbänken sei dies nicht machbar, sagt zum Beispiel der Gudensberger Bauhofleiter Uwe Kiefer. Daher setze die Stadt Gudensberg zwei Laubbläser ein, die von jeweils einem Arbeiter bedient werden könnten.

Mit Besen und Rechen sei der personelle und zeitliche Aufwand viel zu groß. „Wir haben uns schon nach akkubetriebenen Geräten erkundigt, die sind aber noch nicht leistungsfähig genug für unsere Zwecke,“ sagt Kiefer.

In Fritzlar gibt es drei städtische Laubbläser, die eingesetzt werden, um Straßen, Fußwege und öffentliche Plätze laubfrei zu halten, wie die Fritzlarer Stadtverwaltung mitteilt. Da jeden Tag neues Laub von den Bäumen fällt, ist es mit einem einmaligen Einsatz nicht getan.

Besonders bei feuchter Witterung und auf Kopfsteinpflaster bestehe große Rutschgefahr durch Blätter. Das tägliche Entfernen des Laubs von den Straßen sei daher unabdingbar. „Auf Wiesen, in Grünanlagen und Parks stellt Laub jedoch keine Gefahr dar und sollte deshalb liegengelassen werden“, sagt Katrin Riegger. Jeder Gartenbesitzer könne das tun und damit der Umwelt helfen – oder zum Rechen greifen.

Von Patrick Kessler

Quelle: HNA

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