14 von 24 Kommunen wollen bislang Stromversorgungswerk mit Eon-Mitte gründen

Netzbetrieb wird kleiner

Kreis Kassel. 24 Kommunen aus dem Landkreis Kassel haben gemeinsam über die Zukunft ihrer Stromnetze verhandelt – aber nur 14 davon folgen der Empfehlung, gemeinsam mit Eon-Mitte ein Versorgungswerk zu gründen. Zwei Städte, Immenhausen und Trendelburg, haben noch nicht entschieden. Auf jeden Fall entsteht ein Flickenteppich. Dennoch will Eon-Mitte wie geplant mit 49 Prozent in das Versorgungswerk mit 14 Kommunen einsteigen.

Dieses Versorgungswerk für 14 Kommunen umfasse 62 Prozent der Einwohner der 24 Städte und Gemeinden, sagt Eon-Mitte. Damit sei die Quote der Zustimmung hoch und reiche aus Sicht des Unternehmens aus, um das Versorgungswerk zu gründen. Zumal zwei Entscheidungen noch ausstünden: Die Einwohnerzahl könne noch steigen.

Es geht zunächst nicht ums Stromproduzieren, obwohl sich die Städte und Gemeinden diese Option offenhalten. Erst mal soll das neue Unternehmen den kommunalen Einfluss auf das Netz erhöhen, etwa im Blick auf mehr Einspeisung erneuerbarer Energien und Versorgung bevölkerungsarmer Landstriche. Zudem soll die Wertschöpfung in der Region bleiben. Billiger wird der Strom dadurch nicht. Für den Endverbraucher ändert sich auch ansonsten nichts, er kann seinen Anbieter weiter frei wählen.

Über den Preis ihrer Stromnetze, welche die 14 zunächst zurückkaufen wollen, geben die Kommunen und Eon-Mitte keine Auskunft. Auch nicht über den Pachtzins, den der Konzern zahlen wird. Man habe Vertraulichkeit vereinbart, sagen beide. In einem früheren Stadium war der Wert der Stromnetze der 24 Kommunen zwischen 75 und 113 Mio. Euro taxiert worden.

Die Orte, welche die Kooperation anstreben, wollen eine kommunale Beteiligungsgesellschaft in der Rechtsform einer GmbH & Co. KG gründen – mit Anteilen je nach Größe und Versorgungsbedarf. Diese Gesellschaft soll mit 51 Prozent in ein Versorgungswerk mit der gleichen Rechtsform einsteigen – bei 49 Prozent für Eon-Mitte. Das neue Unternehmen soll für 20 Jahre, bis 2031, eine Konzession für Nutzung von Wegen erhalten. Der Energiekonzern wird Pacht für die Leitungen zahlen.

Dem Votum für Eon-Mitte war ein EU-weites Auswahlverfahren nach dem Energiewirtschaftsgesetz vorangegangen. Gutachter hatten empfohlen, statt eines reinen Konzessionsvertrags – so wie er noch bis Ende 2011 mit Eon-Mitte läuft – ein Kooperationsmodell zu wählen. Als Anbieter blieben am Ende Eon-Mitte, die Städtischen Werke Kassel und die Netzgesellschaft Berlin Brandenburg übrig. Die Verhandlungsgruppe der 24 Kommunen sah die meisten Vorteile bei Eon-Mitte.

Von neuerlichen Konzessionen war kaum mehr die Rede. Bei dieser Lösung zahlt der Energieversorger für Wegerecht. Auch dazu war aber eine Ausschreibung gelaufen, bei der Energie Waldeck Frankenberg (EWF) vorn lag. Wahlsburg und Breuna haben nun EWF Konzessionen für 20 Jahre erteilt.

Andere Kommunen planen neue Auswahlverfahren. Bei allen war die Furcht vor zu hohen finanziellen Risiken ein wichtiger Grund der Ablehnung des Versorgungswerks, teils war auch die Kooperation mit einem Großkonzern ein Dorn im Auge. Fünf der insgesamt 29 Kommunen im Kreis waren bereits früher eigene Wege gegangen.

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Von Ingrid Jünemann

Quelle: HNA

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