Neue Ideen nach Plan

Beschlossene Sache: Das ehemalige Wolfhager Amtsgericht (Hintergrund) soll ein Zuhause für Menschen mit Behinderungen werden. Bei der Planung für andere leerstehende Gebäude setzen (von links) Sandra Kambach und Andreas Güttler vom Zweckverband Raum Kassel (ZRK), Ingo Ziesing vom Wolfhager Bauamt und Bürgermeister Reinhard Schaake auf die Datensammlung des ZRK. Foto: Hempel

Wolfhager Land. Der Trend zur Landflucht macht sich auch im Wolfhager Land bemerkbar – und mit ihm seine Folgen: Leerstände, Baulücken, bröckelnde Infrastrukturen. An dieser Stelle setzt das Gemeinschaftsprojekt des Zweckverbandes Raum Kassel (ZRK) und der Universität Kassel an.

Die Idee: Alle Veränderungen im Ortsbild zu dokumentieren, die der demografische Wandel mit sich bringt. Studenten des Fachbereichs Architektur, Stadt- und Landschaftsplanung ziehen durch die Orte des Landkreises Kassel, zählen leerstehende Häuser, Haltestellen, Geschäfte, Gaststätten, Kindertagesstätten und alles, was zur Versorgung der Bevölkerung dazugehört, erklärt Projektleiterin Sandra Kambach vom ZRK. Auf diese Weise entstehen derzeit detailgenaue Lagekarten, die den Städten und Gemeinden als Planungsgrundlage zur Verfügung gestellt werden.

Einige Studenten erarbeiten auf der Grundlage dieser Erhebung in Form einer Bachelorarbeit auch konkrete Perspektiven für einzelne Gebiete und Einrichtungen. „Das bringt den Kommunen neue Ideen, die wissenschaftlich belegt sind“, sagt Andreas Güttler. Bisher sind von den Studenten für acht Kommunen Lösungsvorschläge für ungenutzte Gebäude entwickelt worden. Ein Beispiel ist das Konzept für die Alte Ziegelei Vellmar, das Sport- und Freizeitaktivitäten sowie Kunstausstellungen vorsieht. Für Wolfhagen gibt es bisher kein Konzept dieser Art. Aber von dem Kataster, das für Wolfhagen bereits vorliegt, profitiert auch die ehemalige Kreisstadt.

„Anhand der Pläne sehen wir, wo es Leerstände gibt, und können besser planen“, sagt Bürgermeister Reinhard Schaake. In Wolfhagen habe man vor allem mit leeren Fachwerkhäusern zu kämpfen. An vielen Gebäuden gebe es Schäden, die nur mit hohen Investitionssummen beseitigt werden können. „Das Fachwerk gehört zum Stadtbild, natürlich wollen wir es erhalten, aber wir dürfen uns nichts vormachen“, sagt Schaake. „Was nicht mehr sanierbar ist, müssen wir abreißen.“ Wie erhaltenswerte Gebäude auch gemeinsam mit Nachbargemeinden genutzt werden könnten, dabei sollen die von ZRK und Universität erstellten Pläne helfen.

Anfang Januar kommen Kasseler Studenten auch nach Naumburg. Von der Erhebung erwartet Bürgermeister Stefan Hable wichtige Daten für alle, die hier leben, oder sich für Naumburg als Standort interessieren. Für die Kernstadt hat es eine Untersuchung der Leerstände in den vergangenen Jahren bereits im Rahmen der Dorferneuerung gegeben. „Wir wollten uns dem neuen Kataster aber nicht verschließen, vor allem, da es landkreisübergreifend ist.“

Von Claudia Hempel

Quelle: HNA

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