Heinrich Breitzke (43) aus Wasenberg hat seiner Frau Sonja (42) ein Organ gespendet

Neue Niere, neues Leben

Sind dankbar, dass alles so gut verlaufen ist: Sonja und Heinrich Breitzke sind froh, dass sie mit der Transplantation ein Stück Lebensqualität zurück gewonnen haben. Foto: Rose

Wasenberg. Mit 48 Jahren wurden bei Walter Buchmann so genannte Zystennieren diagnostiziert. Die Diagnose veränderte nicht nur das Leben des Wasenbergers, sondern auch das seiner Familie. Denn die Krankheit hatte er an drei seiner vier Töchter weiter vererbt. „Er kam vom Arzt und alle Blicke fielen auf mich, weil ich meinem Vater am ähnlichsten bin“, erinnert sich Sonja Breitzke, die damals gerade 18 war. Heute ist sie 42 und lebt seit einem Jahr mit einer neuen Niere: Ihr Mann Heinrich (43) hat ihr das lebenswichtige Organ gespendet.

Seit der Diagnose 1987 lässt sich Sonja Breitzke regelmäßig untersuchen. „Jede Schwangerschaft war für die Nieren eine große Belastung – nach der dritten waren die Blutwerte wirklich schlecht“, erzählt sie. Die Krankheit macht sich schleichend im Körper bemerkbar. Doch die Ärztin findet klare Wort. „Was glauben Sie, was Sie mit ihren Werten noch reißen können?“, fragte sie die Wasenbergerin. „Das war wie ein Schlag ins Gesicht“, erinnert sich Sonja Breitzke.

Lange Wartezeiten

Das Thema Spende rückt immer stärker in den Fokus. „Aber ich hätte mindestens sechs Jahre auf ein Organ warten müssen“, erklärt die 42-Jährige. Zuerst lässt sich ihre Mutter auf die Deckungsgleichheit für eine Lebendspende untersuchen. Wegen Herzproblemen kommt sie nicht in Frage. Heinrich Breitzkes Werte sind ähnlich deckungsgleich. „Für mich war von Anfang an klar, dass ich meiner Frau und der Familie mit meiner Spende ein Stück Lebensqualität zurück geben kann“, erklärt der Kaufmann.

Die Vorbereitung auf die Transplantation dauert mehr als ein halbes Jahr: Untersuchungen, Gespräche beim Psychologen, eine Befragung durch den Ethik-Rat, die erste Operation. „Beide Nieren waren sehr groß. Die Rechte musste vorher raus, weil sonst im kleinen Becken kein Platz für die Spenderniere gewesen wäre“, verdeutlicht Sonja Breitzke. Auf die Entnahme folgt die erste Dialyse. Bis zur Transplantation muss die Wasenbergerin drei Mal wöchentlich zur Blutwäsche. Jeweils fünf Stunden. „Das war vor allem für unsere drei Kinder, die eine sehr aktive Mutter kannten, eine belastende Situation“, blickt die 42-Jährige zurück.

Transplantation in Marburg

Im Februar 2010 ist es soweit. Auf verschiedenen Stationen werden Heinrich und Sonja Breitzke auf die Eingriffe in der Uniklinik Marburg vorbereitet. Nach drei Stunden die gute Nachricht: Ihrem Mann geht es gut. Die Niere wird präpariert, gespült, Sonja Breitzke in den OP geschoben. „Der Arzt hat mir später erzählt, dass die Niere sofort durchblutet war und Urin produziert hat“, erzählt Heinrich Breitzke. Nach einer Woche verlässt der Wasenberger die Klinik, seine Frau nach drei Wochen. „Alles ist wie im Bilderbuch verlaufen“, sagen Breitzkes. Beide sind sich sicher, dass ihnen ihre positive Einstellung geholfen hat: „Wir waren überzeugt, dass alles gut wird.“ Dankbar sind die Wasenberger auch für die Unterstützung von Familie und Freunden. „Ob durch Anrufe, Besuche oder Mithilfe im Lebensmittelladen – es war einfach auf alle Verlass.“

Wie lang das Organ halten wird, weiß keiner: „Bei vielen zehn bis 15 Jahre, bei manchen auch 30“, erklärt Sonja Breitzke. „Bei guter Pflege vielleicht auch länger.“

Von Sandra Rose

Quelle: HNA

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