Neuer Arzt in Naumburg: 75-jähriger Internist eröffnet Praxis

Geht in Naumburg an den Start: Knapp 25 Jahre war Dr. Edward K. Poku Landarzt in Lichtenfels, dann arbeitete er sieben Jahre als Mediziner in England. Jetzt eröffnet der Internist eine Praxis als Landarzt in der Naumburger Altstadt. Unser Bild zeigt Dr. Poku im Wartezimmer seiner neuen Praxis an der Unteren Straße. Foto:  Norbert Müller

Naumburg. Der Mann lacht gern und herzlich: Dr. Edward K. Poku, der in dieser Woche in Naumburg eine Landarzt-Praxis eröffnen wird, ist gut gelaunt, auch wenn es noch einige kleinere Probleme gibt, die den eigentlich für Mittwoch angepeilten Start doch noch um ein, zwei Tage verzögern könnten.

Nein, an den letzten Arbeiten in den Praxisräumen im Haus an der Untere Straße liege es nicht, das habe man im Griff. Das Problem sei eine Sendung mit Formularen für Überweisungen und Krankschreibungen. Die ist noch nicht angekommen - aber unterwegs. „Das wird schon.“

Der Empfangstresen ist noch mit einer schützenden Plastikfolie bedeckt, das gelbe Mobiliar sieht aus, als sei es gerade aus einer Designer-Werkstatt geliefert worden. Ist es aber nicht, sagt der Mediziner amüsiert, die Einrichtung stamme zu einem großen Teil aus seiner früheren Praxis in Lichtenfels-Goddelsheim. Dort hat Dr. Poku fast ein Vierteljahrhundert als Landarzt gewirkt, ehe ihn die Politik in den Ruhestand zwingen wollte. Er hatte die damals für Ärzte geltende Altersgrenze von 68 Jahren erreicht.

Aufgeben, sich künftig mit den Hobbys Gartenarbeit, Musik und Sport die Zeit vertreiben? „Nein, ich habe diese Mentalität nicht“, sagt Dr. Poku. Er sei zudem ein viel zu leidenschaftlicher Mediziner, versichert der in Ghana Geborene. Also ging er mit Frau und Sohn dorthin, wo Ärzte dringend gesucht wurden - nach England.

„Wir waren 4700 Ärzte aus Deutschland“, erinnert er sich, und am Wochenende wurden weitere deutsche Mediziner eingeflogen.

Als Schüler in England

Für Edward K. Poku war der Wechsel nach England auch eine Art Rückkehr. Hier hatte er ein Internat besucht, seinen Schulabschluss gemacht, um dann Medizin zu studieren.

Sein Vorklinikum absolvierte der junge Edward K. Poku in Wien, wo er auch seine Frau kennenlernte. Dann ging er zum Studieren nach Düsseldorf. Dort praktizierte er nach Abschluss seines Studiums in verschiedenen Bereichen und sammelte Erfahrungen: Neurologie, Kardiologie, Kinderheilkunde. Und promovierte.

Schließlich stand für den Internisten der Sprung in die Selbstständigkeit an. Stadt oder Land? Dr. Poku: „Ich liebe die deutschen ländlichen Gebiete, dieses Grün.“ Und so entschied sich Familie Poku für eine Praxis in Lichtenfels im Landkreis Waldeck-Frankenberg und wäre dort geblieben, hätte die Politik nicht die Altersgrenze gesetzt.

Vor gut sieben Jahren also reiste Dr. Poku nach England, ins Land seiner Jugend, leitete ein Krankenhaus, arbeitete als Mediziner auch für das Justizministerium.

Inzwischen ist durch EU-Recht die Altersbeschränkung für Ärzte in Deutschland gefallen. Die Pokus zog es zurück nach Nordhessen - ihr Haus in Lichtenfels-Goddelsheim wartete. „Ich wusste immer, dass ich zurückgehe“, sagt Dr. Poku. So britisch der Fan des FC Chelsea und Fahrer eines englischen Kleinwagens auch erscheinen mag, „ich bin Deutschland treu geblieben“, versichert er.

Beruflich dort anknüpfen, wo er vor sieben Jahren aufgehört hat, das sei sein Wunsch gewesen. „Ruhestand, das ist nichts für mich“, sagt der 75-Jährige auf die Frage, warum er bei der Kassenärztlichen Vereinigung umgehend nachfragte, wo er in der Region als Mediziner einsteigen könne.

Begeistert von der Lage

Man nannte ihm eine Stadt, die dringend einen zweiten Hausarzt suche: Naumburg. Familie Poku sah sich die Stadt an, war begeistert von der Lage, dem Blick auf die Stadt, wenn man von Waldeck kommend am Burgberg vorbeifährt. Und von der freundlichen Begrüßung und Aufnahme durch den Bürgermeister, die Kollegin, die Unterstützung bei der Suche nach geeigneten Räumlichkeiten.

Die fand Dr. Poku in der Altstadt. Ein leerstehender Bäckerladen in zentraler Lage wurde umgebaut, was letztlich auch der Belebung der Altstadt dient. Hier, sagt Dr. Poku mit einem strahlenden Lächeln, fühle er sich sehr wohl, und er freue sich schon riesig auf die Arbeit.

Dass er und seine Frau, die den Empfang managen wird, zunächst pendeln werden zwischen Lichtenfels und Naumburg, also viel fahren und früh aufstehen müssen, schließlich beginnt die Sprechstunde schon um 7 Uhr, sei okay. „Ich bin ein leidenschaftlicher Landarzt-Typ“, lacht Dr. Edward K. Poku, „das macht mir nichts aus.“

Von Norbert Müller

Quelle: HNA

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