Weberei Egelkraut: Udo van der Kolk übernimmt kleinen Betrieb mit langer Tradition

Neuer Mann für edle Stoffe

Gelernter Handweber und Restaurator: Der 36-jährige Udo van der Kolk ist der neue Chef der Weberei Egelkraut in Trutzhain. Sein Vorgänger Helmut Egelkraut ging in Ruhestand. Foto: Rose

Trutzhain. Schon als Sechstklässler hat Udo van der Kolk seinen ersten Handwebstuhl gehabt. Heute ist der 36-Jährige Herr über mehr als zwei Dutzend Webstühle und der neue Chef der Traditionsweberei Egelkraut in Trutzhain. Übernommen hat der Handweber und Restaurator den Betrieb von Helmut Egelkraut, der mit 70 Jahren in den Ruhestand ging.

Die Technik und das Tempo der mechanischen Webstühle aus den 1950er-Jahren bestimmen seit zehn Jahren den Berufsalltag des gebürtigen Fuldabrückers. Bevor er damals bei Egelkraut anfing, arbeitete van der Kolk als Restaurator für Möbel und Holzobjekte. „Als ich vor zehn Jahren durch diese Tür ging, da fühlte ich mich wie in einer anderen Welt – hier musste ich einfach arbeiten“, erzählt der 36-Jährige. Aus dem Gänsehautgefühl wuchs ein Wunsch. Aus dem Wunsch wurde eine Herzensangelegenheit. Der frühere Chef Helmut Egelkraut schaut nur noch ab und zu vorbei. „Und natürlich, wenn es mal brennt – seine Erfahrung ist Gold wert“, erklärt der neue Eigentümer.

Die kleine Weberei fertigt überwiegend für Kirchen, Theater und Museen. Auch bei Karnevalisten und Trachtenträgern sind die Egelkrautschen Stoffe gefragt. „Die Aufträge bewegen sich zwischen zehn und zwanzig Metern Stoff“, sagt van der Kolk. Wählen können Kunden aus mehr als 500 Mustern. „Wir produzieren keine Riesenmengen. Dafür erfüllen wir sehr individuelle Wünsche – eben das, was die Großen nicht können“, erklärt der Weber.

Technik gibt den Takt vor

Für Van der Kolk ist der Beruf gleichzeitig auch Berufung: Nur im Büro zu sitzen und Aufträge anzunehmen, das wäre dem 36-Jährigen zu einseitig. „Was mich reizt, ist der Umgang mit der Technik der Maschinen und natürlich nach wie vor das Material und die Qualität der Stoffe“, sagt er. Den Takt geben die Web- stühle vor. „Für einen Meter Stoff brauchen wir etwa eine Stunde“, erläutert van der Kolk, der in Berndshausen (Knüllwald) lebt. Unterstützt wird er von einem Mitarbeiter. „Dabei war es gar nicht einfach, jemanden zu finden, der sich mit den altertümlichen Maschinen auskennt“, erzählt der Weber. Udo van der Kolk will die Tradition des Unternehmens fortführen, hat aber auch Ideen für Veränderungen. „Ich möchte aus der Vielfalt der historischen Muster schöpfen und einige wieder aufleben lassen“, sagt er. Als Kunden könne er sich Museen oder Vereine, die sich dem Mittelalter verschrieben hätten, vorstellen. Moderne Stoffe werde es in der Weberei nach wie vor nicht geben.

Ausbauen will der 36-Jährige die Qualitäten. „Ich möchte gern noch edlere Stoffe anbieten – aus Seide oder mit Echtgold.“ Hintergrund unten

Von Sandra Rose

Quelle: HNA

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