Neuer Pächter gesucht für Ratskeller

Die Möbel bleiben drin: Tische und Stühle gehören der Stadt, alles andere haben Julia und Lena Augener (von links) zusammen mit ihrer Mutter Annette Koch-Augener weggeräumt. Sie dürfen die Gasträume seit 1. März nicht mehr nutzen, fürs Foto betraten sie den Saal nochmal. Foto: Féaux de Lacroix

Felsberg. Die Stadt Felsberg ist auf der Suche nach einem neuen Pächter für den Ratskeller in Felsberg. Das teilte Bürgermeister Volker Steinmetz auf Anfrage mit. „Uns ist wichtig, das ehemalige Rathaus auch weiterhin mit Leben zu füllen“, sagte Steinmetz.

Die Gaststätte, die städtisches Eigentum ist, ist seit Anfang Februar geschlossen. Wie berichtet, muss Annette Koch-Augener, die Restaurant und Hotel seit acht Jahren betreibt, das Gebäude bis zum 31. Mai räumen.

Grund ist, dass der Inhaber und frühere Mitbetreiber Wolfgang Reger den Gewerbebetrieb abgemeldet hat. Damit hat Annette Koch-Augener keine Erlaubnis mehr, den Betrieb weiterzuführen.

Sie muss nun eine neue Wohnung suchen – zusammen mit ihren Kindern Julia (19), Lena (17) und Tim (16). Denn die Familie bewohnt bislang die Räume über der Gaststätte. Wohnung und Gasträume können nach Angaben des Bürgermeisters nicht getrennt vermietet werden, weil sie ineinander übergehen. Er habe der Familie Augener aber Unterstützung bei der Wohnungssuche zugesagt.

Eine neue Konzession habe man Annette Koch-Augener aus rechtlichen Gründen nicht erteilen können, erklärte Steinmetz. „Ich bedauere, dass Annette Koch-Augener den Betrieb nicht weiterführen kann“, sagte der Bürgermeister.

Eigentlich hatte Julia Augener anstelle ihrer Mutter eine neue Konzession beantragen wollen. „Einen Pachtantrag hatte ich schon gestellt“, berichtet die 19-Jährige. Doch sie habe sich in Absprache mit ihrer Familie dazu entschieden, den Antrag wieder zurückzuziehen.

Alternative in Altstadt fehlt

Der Abschied fällt den Augeners nicht leicht. Der Ratskeller sei ein Anziehungspunkt für Touristen gewesen: „Wir hatten oft Argentinier und Chinesen hier“, sagt Schwester Lena Augener. „Uns haben Stammgäste aus Bayern angerufen und gefragt: Wo sollen wir denn jetzt hingehen?“, erzählt die 17-Jährige.

Viele Alternativen haben Felsberg-Besucher tatsächlich nicht, bestätigt Ortsvorsteher Klaus Döll: „Es gibt in der Altstadt sonst kein vergleichbares Gastronomieangebot.“ Er äußert deshalb „tiefstes Bedauern“ über die vorübergehende Schließung.

Der Ratskeller sei in den vergangenen Jahren zwar nicht gut gelaufen, räumt er ein. „Das ist aber nicht die Schuld von Annette Koch-Augener, sie hat sich sehr bemüht.“

Alte traditionelle Gasthäuser seien eben schwierig zu betreiben, etwa wegen der hohen Heizkosten. „Aber an sich ist der Ratskeller ein sehr interessantes Objekt“, findet Döll. Gerade der große Saal für Veranstaltungen sei attraktiv.

Die Stadt müsse alles daran setzen, einen Pächter für das Gebäude zu finden, fordert er. „Da reicht es nicht, ein, zwei Anzeigen zu schalten“, sagt Döll. Die Stadt solle auch in Erwägung ziehen, einem neuen Pächter Unterstützung zu geben – etwa durch eine reduzierte Pacht.

Quelle: HNA

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