HNA-Interview: Siegfried Richter ist Vorsitzender der AG SPD 60 plus in Hessen-Nord

Neues Image für Senioren

Setzt sich fürs Ehrenamt und die Senioren ein: Siegfried Richter aus Homberg. Foto:  Brandau

Schwalm-Eder. Siegfried Richter aus Homberg setzt sich seit vielen Jahren für die Bedürfnisse der älteren Generation ein. Jetzt hat der 70-Jährige seit kurzem den Vorsitz der AG SPD 60 plus für ganz Nordhessen inne. Wir sprachen mit ihm im Interview über die Frage, warum die heutigen Senioren ein neues Image brauchen.

Sie haben gerade mit dem nordhessischen Vorsitz der AG SPD 60 plus viel Verantwortung geschultert. Sie könnten sich Ihren Ruhestand doch auch wesentlich gemütlicher gestalten.

Siegfried Richter: Nein. Ich will es ja nicht gemütlicher haben. Ich mische, rede und gestalte gerne mit. Ich bin Rentner, die Gesellschaft trägt und finanziert mich – dafür möchte ich ihr gerne etwas zurück geben.

Was denn?

Richter: In der Arbeitsgemeinschaft wollen wir dazu beitragen, dass sich das Seniorenbild weiter wandelt. Die Älteren brauchen ein neues Image in der Gesellschaft: Das soll verdeutlichen, dass die Menschen heute auch jenseits der 60 aktiver, gesünder und wacher sind denn je zuvor.

Wie soll dieses Image aussehen?

Richter: Wir müssen uns losmachen von dem Alter, das uns der Kalender vorgibt. Wichtiger ist es heute, sich dem individuellen Alter anzupassen. Man kann auch mit 70 leistungsfähig und motiviert sein. Aber man kann nicht alle über einen Kamm scheren. Wir sind ja keine einheitliche Alten-Generation, die einfach nur ab Renteneintritt ihre restliche Zeit durchlebt.

Also ist das Alter doch nicht der schlechteste Lebensphase?

Richter: Ich kann nur für mich sprechen, aber für mich ist es mit Abstand die schönste Lebenszeit. Ich bin weitgehend gesund, bin noch mobil, kann machen, was ich will und noch dazu meine Freude daran haben.

Und Sie haben anscheinend viel Freude an der politischen Arbeit.

Richter: Ja. Ich möchte mit den Senioren in der SPD die Arbeit der Partei kritisch und konstruktiv begleiten. Wir wollen Ideen einbringen, Visionen entwickeln, vor allem auch mit den Jüngeren zusammenarbeiten. Ständig wird von den Generationskonflikten gesprochen: Die kann man beispielsweise auf diese Art, durch Austausch und Zusammenarbeit, verhindern.

Also braucht nicht nur die Gesellschaft, sondern auch die Politik ein neues Seniorenbild ?

Richter: Auf jeden Fall! Früher waren die Älteren aus Sicht der Jungen eine Generation, von der man nichts mehr erwartet konnte. Was aber bedeutet das im Umkehrschluss? Eine Generation, die ich nicht respektiere, die beziehe ich doch auch nicht mehr in politische oder gesellschaftliche Entscheidungen mit ein. Und das ist fatal – gerade die Älteren sind doch ein wahres Lexikon an Wissen und Erfahrung.

Nun ja, jetzt ist ja deren hauptamtliche Zeit mit dem Renteneintritt auch tatsächlich vorüber.

Richter: Ja, die hauptamtliche schon. Die ehrenamtliche aber noch lange nicht. Wir brauchen viel mehr Menschen, die sich für die Gesellschaft einsetzen.

Nun gab es schon bessere Zeiten, um Menschen zu unentgeltlicher Arbeit zu motivieren.

Richter: Mag sein. Dennoch gibt es viele Möglichkeiten. Man muss die Ehrenamtlichen nur motivieren, konkret ansprechen – es gibt noch ein großes verstecktes Potenzial in der Gesellschaft. Das Ehrenamt ist eine gute Möglichkeit, die rückläufigen Einwohnerzahlen nicht nur als Katastrophe, sondern vielleicht auch als Chance zu begreifen.

Oje. Wie soll das denn gehen? Wir werden doch nun mal immer weniger in Nordhessen.

Richter. Ja. Und die Senioren werden eine immer stärkere Gruppe. Wir müssen uns für deren Anliegen stark machen. Für soziale Gerechtigkeit, das Einbeziehen von Senioren in die Gesellschaft, für Bildung – auch fürs und im Ehrenamt. Und vor allem für eine Altersversorgung, von der man auch leben kann. Das alles tun wir in unserer AG SPD plus 60.

Sie sind für zwei Jahre als Vorsitzender des Bezirks Hessen Nord gewählt. Wo wollen Sie in zwei Jahren stehen?

Richter: Ich will mich dafür einsetzen, dass Ältere als gleichwertige Gesellschaftsmitglieder gesehen werden. Und ich will zugleich Senioren dafür sensibilisieren, dass sie der Gesellschaft auch viel zurück geben können, wenn sie eine Ehrenamt übernehmen. Nur so lässt sich die Zukunft gestalten.

Ohne Ihnen zu nahe treten zu wollen. Aber müssten nicht eigentlich vor allem die Jüngeren die Zukunft gestalten wollen? Die haben ja meist noch mehr davon vor sich...

Richter: Ja, tatsächlich haben sie noch mehr Zukunft. Aber auch noch mehr Gleichgültigkeit vielen Dingen gegenüber. Das ist bei den Senioren anders. Die meisten haben gute, aber auch schlimme Dinge erlebt, haben viel Erfahrung und wissen das zu würdigen, was sie sind und haben. Mal ehrlich: Das sind doch prima Voraussetzungen, um Gesellschaft mitgestalten zu wollen.

Quelle: HNA

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