In der Notschlafstelle von Diakonie und der Stadt Wolfhagen finden Menschen Zuflucht

Weg in ein neues Leben

Hilft Bedürftigen mit einem Platz in der Wolfhager Notschlafstelle: Ordnungsamtsleiter Helmut Rupp. Foto: Hoffmann

In unserer Adventsserie widmen wir uns täglich einem Stichwort aus der Weihnachtsgeschichte. Heute wenden wir uns der Herberge zu. In ihr sollen Maria und Josef nach ihrer Ankunft in Bethlehem keinen Platz gefunden haben. In Wolfhagen finden Bedürftige in der Notschlafstelle Zuflucht.

Von Sascha Hoffmann

Wolfhagen. Dunkel ist es in der Kirchgasse. Nur wenig Licht bahnt sich den Weg zur Tür am unscheinbaren Seiteneingang zwischen Schützeberger Straße und Stadtkirche, die immer dann geöffnet wird, wenn bedürftige Menschen auf der Suche nach einem Dach überm Kopf sind. Drei Betten, zwei Tische, vier Stühle - mehr braucht es nicht, um sich in der Notschlafstelle von Stadt und Diakonie für ein, zwei Nächte aufgehoben zu fühlen. Toilette und eine Waschgelegenheit sind vorhanden, Dusche und Küche nicht. „Das ist absolut ausreichend“, sagt Helmut Rupp vom Ordnungsamt, der Ansprechpartner für die Obdachsuchenden ist.

Niemanden abweisen

Abweisen darf er niemanden, das schreibt das Gesetz vor. „Jede Kommune ist verpflichtet, durchreisende Obdachlose aufzunehmen“, sagt Rupp. Lange Zeit sei dies mit Übernachtungen in Pensionen gelöst worden, was aber aufgrund des Klientels nicht leicht gewesen sei. 2005 habe man sich dazu entschieden, eine Wohnung anzumieten und als Notschlafstelle einzurichten - zunächst in der Lynkerstraße, seit April 2010 im Haus Schützebergerstraße 14.

Es ist alles sauber und ordentlich in der Kurzzeitbleibe, die Betten sind frisch bezogen, Handtücher liegen bereit. Und doch riecht es muffig in der kleinen Wohnung, lange wurde sie schon nicht genutzt. „Zuletzt bat ein Durchreisender im Juni um eine Schlafmöglichkeit“, sagt Rupp. Ansonsten sei die Wohnung in diesem Jahr für andere Hilfebedürftige genutzt worden, etwa in Fällen von häuslicher Gewalt, wenn Betroffene kurzfristig ihre Wohnung verlassen mussten. Dass die Zahl der hilfesuchenden Obdachlosen in Wolfhagen in jüngster Vergangenheit stark zurückgegangen ist, könnte am attraktiveren Angebot der Diakonie in Hofgeismar liegen. Dort warten nicht nur warme Betten auf sie, sondern auch der Tagestreff kanapee. „Wir bieten Besuchern sanitäre Einrichtungen inklusive Duschen, die Nutzung von Waschmaschine und Trockner. In einem Aufenthaltsraum können sie sich mit anderen austauschen“, sagt Sozialarbeiterin Eva Tuschoff, die für beide Einrichtungen verantwortlich ist.

Bewegende Schicksale

Die Schicksale, die sich hinter den Hilfesuchenden verbergen, lassen sie dabei nicht kalt: „Besonders eindrücklich war für mich der Kontakt zu einer meiner ersten Klientinnen, einer jungen Frau, deren Partner sich von ihr getrennt hatte, nachdem er von ihrer Schwangerschaft erfahren hatte“, sagt sie. „Da sie auch bei Familie und Freunden nicht unterkommen konnte, blieb ihr nur die Notschlafstelle.“ Für die junge Frau sei dies nur schwer zu ertragen gewesen, was ihr die Brisanz ihrer Lage nochmal zusätzlich bewusst gemacht hätte. „Glücklicherweise hat sie kurze Zeit später eine Wohnung gefunden“, sagt Tuschoff.

Ein Aufenthalt in der Notschlafstelle kann also auch ein erster Schritt auf dem Weg in ein neues Leben sein.

Quelle: HNA

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