Nicht alle Wünsche können erfüllt werden

Neues Zentrum soll Homberger Innenstadt aufwerten

Homberg. Wenn das Einkaufszentrum an der Drehscheibe in Homberg gebaut wird, dann kann vor allem der Einkaufsstandort am Osterbach darunter leiden. 

Eine „Betriebsabschmelzung ist nicht auszuschließen und sogar zu erwarten." Das sagte Christoph Mathia von der Gesellschaft für Markt- und Absatzforschung GMA bei der Bürgerinformation am Donnerstag in der Stadthalle. Mathia betonte, dass das geplante Einkaufszentrums im Gegenzug die Innenstadt als Einzelhandelsstandort deutlich aufwerten könne.

Bei der Planung auf dem Ulrich-Areal können die Homberger ein Wort mitreden, die Projektentwickler Schoofs Immobilien (Frankfurt) werden aber nicht alle Wünsche der Einwohner erfüllen.

Doch werde man auch einige der Vorschläge umsetzen, hieß es. So könne kurzfristig die Schulwegsicherheit verbessert werden, ebenso die Verkehrssituation an der Drehscheibe sowie der Kasseler Straße, sagte Markus Staedt vom Kasseler Planungsbüro ANP.

Nicht möglich sein werde der Erhalt des alten Baumbestandes (Rotbuchen). Ein Kino oder ein Hotel werde nicht gebaut, für einen Technikmarkt sei kein Betreiber gefunden worden. Andere Vorschläge seien mittel- bis langfristig umsetzbar, etwa die Aufwertung des Stadtparks, der Schutz und die Belebung der Altstadt. Eine Wettbewerbsverschärfung durch das Einkaufszentrum will man verhindern.

Mit welchen Anbietern geplant wird, erläuterte Andreas Tischler, Schoofs-Berater: Der Mietvertrag mit Rewe sei unterschrieben. Der vorhandene Markt könne deutlich größer werden. Die Verhandlung mit der Drogeriemarktkette dm sei kurz vor dem Abschluss. Außerdem geplant: Discounter, Textiler, Schuhfachmarkt sowie 16 kleinere Verkaufsflächen mit Dienstleistungen wie Frisör, Gastronomie (ohne Sitzplätze) und mehr.

Man könne manchmal den Eindruck bekommen, es sei in Sachen Einkaufszentrum schon alles entschieden. Dem sei aber nicht so, erklärte Ulrike Maier vom Planungsbüro ANP. Im Gegenteil: Man befinde sich noch in der Planungsstufe und habe die Öffentlichkeit frühzeitig beteiligt, um deren Anregungen aufzunehmen. Die Stadtverordneten haben im September den Startschuss für das formelle Verfahren gegeben. Es handele sich um einen vorhabenbezogenen Bebauungsplan, für den der Flächennutzungsplan geändert werden müsse. Verfahrensführer sei die Stadt, der Abbruch jederzeit möglich. Die Projektentwickler hätten keinen Anspruch auf die Aufstellung eines Bebauungsplanes. (may)

Schule ist der Knackpunkt

Die Gefährdung der Schüler im Bindeweg durch den Lieferverkehrs für das neue Einkaufszentrum Drehscheibe scheint die Krux zu sein. In der Diskussion war das Hauptthema des Elternbeirates der THS. Sie möchten eine andere Lösung für den Lieferverkehr zum Zentrum.

Die Anlieferung im Bindeweg sei zu gefährlich, befürchten die Eltern. Tenor im Publikum war aber auch, dass ein Einkaufszentrum die Stadt aufwerten könnte. „Es ist auf jeden Fall eine Chance für die Innenstadt, wenn auch keine Garantie“, sagte Bürgermeister Dr. Nico Ritz. Dennoch war klar, dass es einen Verdrängungswettbewerb geben werde und das Zentrum mit dem Efzecenter konkurriere.

Andrea Laabs, Elternbeirätin der THS, befürchtet wegen des Lieferverkehrs gefährliche Situationen. Viele Eltern aus den Dörfern, in denen keine Busse fahren, müssten ihre Kinder mit dem Auto zur Schule bringen. Im Bindeweg käme es daher immer wieder zu Verkehrsstörungen.

„Diese Situation ist ohnehin nicht haltbar“, meinte Ritz dazu, der dies in den vergangenen Tagen beobachtet hat. Andreas Tischler, Berater der Firma Schoofs, beruhigte Laabs: Der Gutachter habe vorgeschlagen, dass die Lkw in die Lieferzonen vorwärts rein und auch wieder herausfahren müssten. Der Lkw drehe also auf dem Areal, um die Situation zu entschärfen. Zudem dürfe zum Schulstart zwischen 7.30 Uhr und 8.30 Uhr sowie zum Schulschluss zwischen 12.30 und 13.30 Uhr kein Lieferverkehr erfolgen.

Jutta Blau vom Elternbeirat forderte Ritz auf, den Eltern andere Möglichkeiten anzubieten, wo sie ihre Kinder abliefern können.

Weitere Bedenken über die Wirkung des Zentrums kamen von Martin Knauff, Inhaber des Modezentrums Sauer. Er lehnte die Studie über die Kaufkraft ab, die Christoph Mathia von der Firma GMA vorstellte. Seiner Meinung nach seien die Zahlen aus dem Jahr 2011 veraltet, für den Textilbereich hätten sie keine Geltung. „Das Einkaufszentrum ist für Homberg drei Nummern zu groß.“ Mathia betonte, man habe 2014 die Studie aktualisiert. „Wir sitzen hier, weil wir in der Stadt zu wenig Einkaufsfläche haben“, sagte Tischler. Die Bevölkerung werde älter.

Quelle: HNA

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