Neues Zuhause im alten Gericht: Umbau für Menschen mit Behinderungen

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Freuen sich über die Fortschritte im alten Amtsgericht: Günther Dreisbach (links), Ulrich Urtlauf, Constanze Wrieden, Jochen Buhre, Betreuerin Barbara Holzapfel, Nina Classen, Georg Daher und Hans-Jürgen Schneider vom Ingenieurbüro Elektroplan.

Wolfhagen. Wo einst das hohe Gericht saß, werden schon bald 15 Menschen mit Behinderungen gemeinsam kochen, spielen und fernsehen. Der ehemalige Gerichtssaal nämlich soll der Mittelpunkt einer neuen Wohnstätte werden, die derzeit im ehemaligen Wolfhager Amtsgericht an der Burgstraße entsteht.

Die Baunataler Diakonie Kassel (bdks) will mit dem Projekt ein Angebot schaffen, das den künftigen Bewohnern ein wohnortnahes Leben ermöglicht.

Am Dienstag besuchten Vertreter von bdks und Heimbeirat sowie interessierte Bürger die künftige Wohnstätte, in der Handwerker seit April emsig am Arbeiten sind. Noch bedarf es Fantasie, um sich die kargen, hohen Räume als gemütliche Wohneinheiten vorzustellen. Architektin Melanie Gebhardt aber ist optimistisch, dass bis Ende des Jahres die Arbeiten abgeschlossen sind und das Gebäude zum Anfang des nächsten Jahres bezogen werden kann: „Zwar ist das alte Amtsgericht vor allem durch seine verschiedenen Deckentypen eine echte Herausforderung für uns, aber wir liegen gut im Plan.“

Das freut vor allem Constanze Wrieden, Jochen Buhre und Nina Classen vom Heimbeirat, die derzeit in Einrichtungen in Hofgeismar und Burguffeln leben. „Ich finde es schon jetzt wunderschön und könnte mir gut vorstellen, hier zu leben“, schwärmt Classen, der es vor allem die zentrale Lage mit Nähe zu Geschäften und Kino angetan hat. „Ich gehe so gern ins Kino, von hier aus wäre das gut machbar.“

15 Wohneinheiten

Die Lage ist es auch, die es dem Wolfhager Ulrich Urtlauf angetan hat. Er interessiert sich für das Projekt, da sein Sohn behindert ist und derzeit noch zuhause lebt. „Mir gefällt vor allem die Aufteilung“, so der Wolfhager. 15 Wohneinheiten, davon ein Großteil mit eigenem Sanitärbereich, sind derzeit im Entstehen. „In der offenen Küche im ehemaligen Gerichtssaal mit großem Wohn- und Essbereich soll gekocht, gegessen und beisammengesessen werden“, sagt Georg Daher, Leiter Facility Management bei der bdks. „Zum Teil wird es aber auch Zimmer geben, in denen es möglich ist, eine kleine Küche einzupassen, die persönlichen Interessen, Fähigkeiten und Vorlieben sind hier entscheidend.“ Den Menschen solle eine größtmögliche Selbstständigkeit ermöglicht werden, wobei die neuen Wohnangebote zudem die Sicherheit und Zuverlässigkeit der stationären Betreuung und Pflege böte.

Darüber freut sich auch der Wolfhager Günther Dreisbach, der ehrenamtlich bei der bdks mitarbeitet: „Aktuell bin ich in der Werkstatt in Hofgeismar aktiv, werde mich aber gern ab nächstem Jahr auch in Wolfhagen engagieren.“

Das Investitionsvolumen liegt bei 1,9 Millionen Euro. Finanziert wird diese Summe von der evangelischen Kirche in Kurhessen-Waldeck, der bdks, der Aktion Mensch, dem Landeswohlfahrtsverband Hessen, der Stadt Wolfhagen sowie mit Geld aus dem Programm Aktive Kernbereiche.

Quelle: HNA

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