Neukirchen: Einrichtung eines Bestattungswaldes wird diskutiert

Thema Urnenbestattung im Wald: Das Foto entstand im Stiftswald Oberkaufungen, auch bei Staufenberg gibt es neuerdings einen Bestattungswald. Beigesetzt werden ausschließlich Urnen, die sich im Boden rückstandsfrei abbauen. Foto: HNA-Archiv

Neukirchen. Soll es bei Neukirchen einen Bestattungswald geben? Darüber wird in der Stadt diskutiert.

Im Sommer 2015 brachte die FDP Neukirchen die Idee auf die Tagesordnung, die Möglichkeit zur Urnenbestattung in ihren Wäldern zu prüfen beziehungsweise anzubieten.

Wiebke Knell ist dicht dran am Thema. Die FDP-Fraktionssprecherin des Kneippheilbades ist Sprecherin der Tischler und Bestatter in Hessen. „Ich beschäftige mich sehr häufig mit Fragen der Bestattung, wenn ich Beiträge für die Innungszeitschrift schreibe“, sagt sie. Und sie ist der Meinung, dass die Möglichkeit der Baumbestattung in der Gegend eine gute Alternative darstellen könnte.

Dabei müsste die Stadt einen solchen Bestattungswald nicht selbst betreiben, meint sie, auf dem Markt finden sich Unternehmen wie die Firma Friedwald (FriedWald GmbH, Griesheim), die sich als Pionier und „führenden Anbieter der Naturbestattung in Deutschland“ betrachtet.

Inzwischen hat die Stadtverwaltung geklärt, dass es im Stadtwald zwischen Neukirchen und Seigertshausen eine 6-Hektar-Fläche gibt, für die es eine Erlaubnis für das Projekt geben könnte, nächste Woche steht die Abstimmung der Fraktionen in der Stadtverordnetensitzung an (Donnerstag, 8. Dezember, ab 19.30 Uhr, Rathausssaal). Wir beantworten hier die wichtigsten Fragen.

Wäre die Einrichtung eines Bestattungswaldes formlos möglich?

Nein, Bauleitplanungen und Bodengutachten sind die Voraussetzung, die Stadt kalkuliert mit Kosten in Höhe von weit über 100 000 Euro zur Vorbereitung der Waldfläche.

Könnte man das Projekt nicht der Firma Friedwald übertragen?

Friedwald möchte hier nicht einsteigen, das Unternehmen teilte der Stadt mit, dass das nähere Einzugsgebiet zu klein sei, dort müssten 300 000 Menschen leben.

Gibt es andere infrage kommende Unternehmen?

Ja. Kontakt gab es mit einem Förster der Waldbestattungsanlage in Laubach (Unternehmen Ruheforst), der Anforderungen wie Größe – bis zu 30 Hektar –, Beschaffenheit und Entfernung von einer Straße darlegte. Laut Beschlussvorlage für die Stadtverordneten genügt diesen Anforderungen keine Fläche im Neukirchener Stadtwald.

Wie groß ist denn das Interesse an Waldbestattungen?

Die örtliche Bestatterin sagte, dass sie in den vergangenen 25 Jahren etwa 30 Waldbestattungen begleitet hat. Das Magazin Spiegel berichtete von einem Boom der Bestattungswälder.

Entstehen für die Schaffung eines Bestattungswaldes Kosten?

Laut Aufstellung der Stadtverwaltung erhebliche, bis zu 300 000 Euro, außerdem jährliche Folgekosten etwa für Rückschnitt und Pflege, geschätzt 30 000 Euro. Wiebke Knell (FDP) ist der Ansicht, dass diese Schätzung zu hoch gegriffen ist.

Fehlen denn in Neukirchen neuartige Bestattungsmöglichkeiten?

Nein, die gibt es auf dem örtlichen Friedhof, es existiert ein anonymes Grabfeld, es kann ein Rasengrab gewählt werden. Ein Bestattungswald könnte durchaus zu einer Konkurrenzsituation führen. Laut des Magazins Spiegel fürchten manche Pfarrer, Steinmetze und Gärtner einen Niedergang der Friedhofskultur, zumal der Friedhofszwang im Zuge europäischer Regeln fallen könnte.

Quelle: HNA

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