Lehrer mit Leib und Seele

Günter Schoppe wurde für 60 Jahre  in der Gewerkschaft geehrt

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Schlesier, der sich im Knüll wohl fühlt: Günter Schoppe kam als Schulhelfer in die Region. 30 Jahre lang leitete er die Grundschule Seigertshausen.

Neukirchen. Ursprünglich sollte Günter Schoppe Eisenbahner werden so, wie alle aus seiner Familie. Doch der gebürtige Schlesier wurde Lehrer. Und noch dazu einer mit Herz und Seele. "Ich bin immer gern zur Schule gegangen", erzählt er.

Jetzt wurde der 88-Jährige für 60 Jahre Mitgliedschaft in der Lehrergewerkschaft (GEW) geehrt.

Schoppe kam nach der Kriegsgefangenschaft als Schulhelfer nach Frielendorf und Neukirchen. 1950 legte er seine Lehrerprüfung in Kassel ab, kurz darauf wurde er Schulleiter in Linsingen. "In Obergrenzebach war ich der einzige Lehrer für 135 Kinder, in Frielendorf für 86, in Linsingen für 29", erzählt Schoppe. Von 1958 bis zu seiner Pensionierung 1987 war der Neukirchener Schulleiter in Seigertshausen.

Schoppe engagierte sich weit über die Schule hinaus. Man übertrug ihm die Leitung der Schwälmer Trachtengruppe. Mit Hingabe lehrte er den Kindern das Mandolinenspiel. Und kam mit "seinen Schwälmerchen" ordentlich rum: Die Tanz- und Trachtengruppe besuchte die Steubenparade in New York, fuhr mit einer Abordnung nach Sao Paulo, wo eine Hans-Staden-Ausstellung eröffnet wurde. Es ging nach Griechenland und Japan.

"Wir haben an 25 Hessentagen teilgenommen", erzählt Schoppe. "Und Prominenten wie Scheel und Brandt die Hand geschüttelt."

In der Staatskanzlei seien die Seigertshäuser regelmäßige Gäste gewesen und an die Heimatabende in Neukirchen erinnere er sich gern. "Da war auch einer der Wildecker Herzbuben dabei, der ist ja heute richtig berühmt", erzählt der 88-Jährige. In ihren besten Zeiten habe die Kindergruppe 40 Mitglieder, die Jugendgruppe 46 Mitglieder gehabt.

Mit seinem Eintritt in die GEW 1953 war er als Weggefährte des langjährigen Kreisvorsitzenden Dietrich Schmid-Pfähler stellvertretender Vorsitzender und Grund- und Hauptschulvertreter auf Kreisebene.

Gleichzeitig war Schoppe zehn Jahre im Lehrerpersonalrat im damaligen Kreis Ziegenhain. Später übernahm er das Amt des Pensionärsvertreters im Kreisverband.

Mentor für junge Kollegen

Doch damit nicht genug: Als Mentor setzte er sich für die Ausbildung junger Kollegen ein, bildete sich selbst stetig weiter fort. 30 Jahre lang war Günter Schoppe Mitglied im Seigertshäuser Kirchenvorstand, davon zehn Jahre auch als Lektor tätig. Mit der Musik war der 88-Jährige, der ursprünglich Geige gelernt hatte, immer besonders verbunden: Mit Hingabe spielte er in der Mandolinengruppe Schwalmstadt.

Schoppes Engagement wurde gewürdigt: Mit der Trachtengruppe nahm er unter anderem den Geschwister-Böth-Preis und den Paul-Dierichs-Preis in Empfang. 1984 wurde ihm das Verdienstkreuz am Bande verliehen. Bis heute liegt ihm die Grundschule in Seigertshausen am Herzen: "Ich bin froh, dass das Gebäude noch steht und immer noch Kinder dort hinein gehen."

Quelle: HNA

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