Grautöne statt Ochsenblut

Neumorscher Jakobikirche innen renoviert - Eröffnung an Ostern

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Bänkerücken: Pfarrer Bernd Knobel sowie Schreinermeister und Restaurator Bruno Hiege mit einer Kirchenbank.

Neumorschen. Die evangelischen Christen in Neumorschen freuen sich besonders auf Ostern. Am Ostersonntag, 20. April, ab 10 Uhr feiern sie im Gottesdienst mit Dekan Norbert Mecke die Wiedereröffnung der Wehrkirche Sankt Jakobi. Auch wenn noch nicht alles fertig sein sollte.

"Eigentlich brauchen wir noch ein paar Wochen", sagt Pfarrer Bernd Knobel, "aber wir wollen Ostern in die Kirche - so wie sie ist, wird Gottesdienst gefeiert". 1971/72 gab es die letzte Innensanierung. Dabei hatte man den alten Fußboden herausgerissen und Fliesen verlegt. Die passten aber gar nicht zum historischen Gebäude.

Jetzt wurde der Fußboden neu gestaltet. Der helle Sandstein - Quarzit aus dem Steigerwald - und die neue Treppe zur Kanzel sind mit dem jetzigen Innenanstrich eine Augenweide. Im Juni vergangenen Jahres hatten die Arbeiten begonnen, seitdem werden die Gottesdienste im Gemeindesaal gefeiert.

In Eigenleistung schaffte der Kirchenvorstand die Bänke aus dem Kirchenschiff. Der heimische Schreinermeister und Restaurator Bruno Hiege hat die Bänke auseinandergesägt. Der Mittelgang, der 1971/72 beseitigt worden war, kommt wieder.

Das Gotteshaus ist heller und freundlicher geworden, so wie es sich laut Pfarrer Knobel der Kirchenvorstand gewünscht hat. An der Dispersionsfarbe der Wand hatten sich im Laufe der Jahre graue Staubschlieren abgelagert. Die Farbe wurde durch einen weißen Kalkanstrich ersetzt. Die Empore mit ihren Holzsäulen erstrahlt in abgestuften Grautönen. Der rote Ochsenblut-Farbton ist verschwunden. "Die dunklen Farben wirkten bedrückend", sagt Pfarrer Knobel, der seit 1988 in Neumorschen tätig ist. Er ist froh über die neuen Farben: "Je nach Sonnenstand werden die Farben der bunten Glasfenster im hellen Innenraum lebendig widergespiegelt, und es entstehen zauberhafte Farbspiele."

Unter dem vorletzten Anstrich schlummerten Schätze. An der Südwand des Kirchenschiffs kamen unter Farben aus sechs Epochen Wandmalereien aus dem 14. und 18. Jahrhundert zum Vorschein.

Hier sind Knobel zufolge weitere restauratorische Arbeiten geplant. Geklärt werden soll, um welche figürlichen Darstellungen es sich handelt und was auf dem Spruchband steht.

Der Pfarrer freut sich über die gelungenen Arbeiten: "Eine sehr helle, freundliche Kirche, die anhand der Funde ihre Geschichte erzählt, berichtet, wie sich Menschen hier eingefunden und Spuren hinterlassen haben."

  Von Manfred Schaake

Quelle: HNA

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