"Mist und bürgerunfreundlich"

Neun Bürgermeister üben gemeinsam massive Kritik an SuedLink-Stromtrasse

Wolfhagen. Bad Emstals Bürgermeister Ralf Pfeiffer redete Klartext: „Das ganze Verfahren ist einfach Mist und bürgerunfreundlich.“ Mit seinen Kollegen aus Wolfhagen, Naumburg, Habichtswald, Breuna, Zierenberg, Volkmarsen, Fritzlar und Schauenburg ist er sich einig.

Sie sind sich einig, dass die Vorplanung der Hochspannungsgleichstrom-Trasse SuedLink so nicht akzeptabel ist.

Am Donnerstag wurde eine gemeinsame Erklärung der neun Verwaltungschefs im Wolfhager Rathaus zum Ausbau der Übertragungsnetze vorgestellt, die etwas moderater formuliert ist.

Adressat des Schreibens ist der Vorsitzende des Ausschusses für Wirtschaft, Energie, Verkehr und Landesentwicklung im Hessischen Landtag, Clemens Reif. Der Ausschuss wird sich am kommenden Montag in Wiesbaden zu einer öffentlichen Anhörung zum Ausbau der Übertragungsnetze treffen, und Ralf Pfeiffer und sein Wolfhager Kollege Reinhard Schaake werden mit von der Partie sein.

In den betroffenen Städten und Gemeinden stoße die vom Netzbetreiber TenneT vorgestellte Vorplanung zum Verlauf der Hochspannungstrasse SuedLink „auf großes Unverständnis“. So sei beispielsweise nicht erklärt worden, warum die Trasse, die auf ihrem Weg von der Küste nach Bayern überwiegend dem Verlauf der A 7 folge, bei Hannover nach Westen verspringe und bei Fulda wieder zur A 7 zurückgeführt werde.

Die Dimensionierung der Trasse auf Grundlage der maximalen Leistung aller Kraftwerke, die nur „an wenigen Stunden im Jahr“ auch tatsächlich abgerufen würde, „weckt erhebliche Zweifel an der Sinnhaftigkeit dieses Konzepts“.

Man stelle die Energiewende keinesfalls in Frage, setze aber auf dezentrale Lösungen. In diesem Zusammenhang sei auch nicht hinreichend geklärt, ob man eine solch große Trasse tatsächlich benötige oder ob dezentrale Lösungen sie überflüssig machen.

Die Rathauschefs befürchten negative Auswirkungen auf die Entwicklung des ländlichen Raums und auf die Bemühungen im Kampf gegen den demografischen Wandel. In dem Schreiben heißt es weiter: „Die Beeinträchtigung des gerade im Naturpark Habichtswald intakten Lebensraums als Erholungs- und Tourismusregion wird erheblich sein.“

Man fordere die Landesregierung und auch die Bundesregierung auf, alternative Lösungen zu prüfen und die dafür notwendigen rechtlichen Rahmenbedingungen zu schaffen. Es gelte „unzweifelhaft nachzuweisen“, dass durch die Stromleitung keinerlei gesundheitliche Risiken für Anwohner und Passanten ausgehen.

Wenn denn kein Weg an der vorgestellten Trasse vorbeigehe, dann, so die Forderung von Bad Emstals Bürgermeister Pfeiffer, sollte das Kabel „bürgerfreundlich“ unter die Erde gelegt werden. Er habe sich erkundigt, viel teurer als eine Freileitung käme diese Variante nicht. (nom)

Quelle: HNA

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