In der Sporttherapie trainieren die Patienten der Forensischen Klinik auch den Geist

Nicht nur für die Muckis

Machen den Patienten der Forensik Beine – jedenfalls in sportlicher Hinsicht: Die Therapeuten Nicole Wolter, dahinter von links Andreas Spitzinger, Lothar Fürstenberger und Steffen Kowalinski trainieren mit den Männern der forensischen Abteilung Körper und Geist. Foto: Berger

Merxhausen. Der Ball verfehlt um Haaresbreite seinen Kopf – Patient G. schnaubt und setzt einen bösen Blick auf, den er in Richtung des Patienten K. schickt. Atmet durch, schüttelt die Arme aus, und alles ist wieder gut. Der eben noch verbissene Blick weicht einer milden Mimik, Patient G. hat sich in Sekundenbruchteilen beruhigt.

G. ist Patient der forensischen Abteilung der Vitos-Psychiatrie in Merxhausen. Wie seine Kollegen muss auch G. regelmäßig die Sporttherapie besuchen, Volleyball spielen, Gymnastikübungen absolvieren, sich körperlich fit halten. „Allerdings geht es im Bereich der Sporttherapie nicht nur um die Fitness des Körpers“, erklärt der therapeutische Leiter Lothar Fürstenberger. „Denn Gesundheit ist zwar wichtig, Teamfähigkeit und Sozialkompetenz aber genauso“, sagt Fürstenberger. Und Sportwissenschaftlerin Nicole Wolter ergänzt: „Die Patienten blicken meist auf eine längere Drogenkarriere zurück.“ Daher sei der Umgang mit gesellschaftlichen Regeln für viele nur schwer zu erlernen.

„Und genau deshalb gibt es die Sporttherapie“, sagt Therapeut Steffen Kowalinski. Sport fördere nicht nur die Kondition und das physische Wohlbefinden, sondern ebenso die Fähigkeit, mit Misserfolgen umzugehen, sich auf andere Menschen einzulassen und als Einzelner in der Gruppe zu bestehen.

Dabei werde es weder den Patienten noch den Therapeuten langweilig, „denn wir haben im Sportbereich so viele Möglichkeiten“, sagt Nicole Wolter. Und die sollten, wenn es geht, auch ausgeschöpft werden. Deshalb sei es wichtig, so Lothar Fürstenberger, neue Patienten in ihrer sportlichen Konstitution zu beurteilen.

„Wir machen mit allen Neuankömmlingen umfangreiche Tests“, erzählt Nicole Wolter. Diese geben dem Therapeutenteam unter anderem Aufschluss darüber, wie es um das Sozialverhalten, die Bewegungsfreude und die Konzentrationsfähigkeit der Männer bestellt ist.

„Das ist für uns ganz wichtig“, bemerkt Andreas Spitzinger. Der 46-Jährige ist Sport- und Physiotherapeut und weiß, wovon er spricht. „Fehlende oder ungenügend ausgeprägte Eigenschaften können so gezielt trainiert und verbessert werden.“

So sei es für das Bestehen innerhalb der Gesellschaft wichtig, kritikfähig, verantwortungsbewusst und selbstständig zu sein. „Und all diese Charaktereigenschaften oder Fertigkeiten können wir mit der Sporttherapie beeinflussen und optimieren“, sagt Spitzinger.

Dass Sport auch dem Körper gut tut und die Gesundheit fördert, scheint da geradezu eine nützliche Nebensache zu sein. Nicole Wolter: „Bei unseren Patienten ist die Sporttherapie jedenfalls durchweg beliebt.“

Ein Video über die Sporttherapie der Forensik finden Sie bei HNA online unter www.hna.de/video.

Von Markus Berger

Quelle: HNA

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