Kommt aus Köln und war in Frielendorf: Kalle Pohl gastierte in der Silbersee Alm

Nichtstun lag ihm einfach

Vor kleinem Publikum: Kalle Pohl unterhielt am Wochenende in der Frielendorfer Silbersee Alm. Mit dabei war auch seine sprechende Handsau. Foto: Haaß

Frielendorf. „Merkel, Westerwelle, Gabriel, Steinmeier. So, damit hätten wir den politischen Teil hinter uns“, sagte Kalle Pohl verschmitzt und startet damit am Samstagabend am Silbersee mit seinem Soloprogramm aus 2011 „Du bist mir ja einer“.

Die Zuschauerresonanz auf den bekannten Kabarettisten war überschaubar, die Hälfte der Stühle in der Alm blieb unbesetzt. Nur knapp 60 Besucher wollten dem Rheinländer bei seinen scheinbar alltäglichen Betrachtungen zusehen und hören.

Kleinste Kabarett-Bühne

Umso familiärer und gemütlicher wurde der Abend dann. Nach anfänglichem Zögern rückte das Publikum nach vorne, und die Silbersee Alm wurde zur kleinsten Kabarettbühne der Welt.

Schon von Beginn an hatte der Profi das Publikum und die Lacher auf seiner Seite: „Es ist üblich unter Künstlern, mit einem neuen Programm erst einmal in die Provinz zu gehen. In die Provinz war ich schon, ich komme aus Köln, jetzt bin ich in Frielendorf“.

Sitzt rum und tut nichts

Immer wieder gewährte der 63-Jährige einen Blick in seine Kindheit: „Das Nichtstun lag mir einfach. Oft haben Verwandte im Kleinkindalter zu mir gesagt: Da sitzt er einfach und tut nichts.“ Und auch heute wolle er manchmal einfach nur faulenzen. „Karibikurlaub ist aber einfach nichts für mich. Ich habe mich, verglichen zu den braun gebrannten karibischen Männern, einfach nur klein, fett und fahl gefühlt.“

Spätestens als Karl-Heinz „Kalle“ Pohl seine aus therapeutischen Gründen angeschaffte „Handsau“ Willi Brandt für sich sprechen lässt, klopfte sich so mancher auf die Schenkel: „Früher habe ich Selbstgespräche geführt. Da sagte man, der Idiot redet mit sich selbst. Heute wird gesagt: Die Sau redet mit einem Idioten.“

Auch Musik hatte Kalle Pohl selbstverständlich im Programm. So präsentierte er dem begeisterten Publikum in der Alm – sich selbst auf dem Akkordeon begleitend – mit Heiko, Meike und Max ein Lied über den Wahnsinn im Cluburlaub. Sein Fazit: „Kein Wunder, das Urlauber dort morgens schon mit dem Saufen anfangen“.

Sarrazins Theorien

Politisch-satirisch wurde es, als er Sarrazins Gentheorie auf die Schippe nahm- „Hundeliebhaber haben zum Beispiel das Gassi-Gen, ältere Menschen Gen am Stock.“

Feine Selbstironie, Schenkelklopfer, Chansons, immer wieder leise Politikerschelte und nicht zu vergessen die Lyrik des von Pohl ersonnenen Merzenicher Heimatdichter Walter Büllesheim: Kalle Pohl zeigte an diesem Abend einmal mehr, dass er die ganze Sparte des Komischen beherrscht.

Die Zuschauer in der Alm waren von dem kleinen Rheinländer jedenfalls begeistert und bedankten sich nach zwei Zugaben mit lang anhaltendem und herzlichem Applaus für einen gelungenen Abend.

Von Matthias Haaß

Quelle: HNA

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