Niedervorschützer können sich für Strom-Modellversuch melden

Experten informierten die Einwohner im Dorfgemeninschaftshaus in Niedervorschütz über intelligente Stromnetze (von links): Dr. Oliver Belz (EON-Mitte), Mike Vogt (IWES), Dr. Sabine Säck-da Silva (deENet)

Niedervorschütz. Im Felsberger Stadtteil Niedervorschütz soll in Sachen Strom die Technik der Zukunft getestet werden. Bis 10. Oktober können sich 50 Niedervorschützer melden, wenn sie an dem Modellversuch teilnehmen wollen.

Über Einzelheiten konnten sie sich am Montagabend im Dorfgemeinschaftshaus informieren. Niedervorschütz ist das Modelldorf im Projekt „Regionale Energieversorgung 2020“, erläuterte Heiko Fenzl, Koordinator für Energieprojekte in Felsberg, die Niedervorschützer. Experten des Fraunhofer-Instituts für Windenergie und Energiesystemtechnik (IWES) und der E.on erklärten das Pilotprojekt und beantworteten Fragen.

Ziel des Projektes ist es, die lokale Stromgewinnung und den lokalen Stromverbrauch in Niedervorschütz zu vergleichen und dabei die Stabilität der Stromnetze zu überprüfen. Versucht werden soll in den beteiligten Haushalten, in wie weit es möglich ist, den Strom überwiegend in den Zeiten zu verbrauchen, in denen er produziert wird.

Interesse an neuer Stromtechnik: Rund 60 Einwohner waren zur Informationsveranstaltung in das Dorfgemeninschaftshaus gekommen.

Bisher deckt Felsberg mehr als 53 Prozent seines Energieverbrauchs durch eigene Stromproduktion aus erneuerbaren Energiequellen, überwiegend durch Photovoltaikanlagen. Bei der geplanten Energieproduktion vor Ort bis auf 100 Prozent des Bedarfs könnten die vorhandenen Netze nicht für die große Strommenge in Spitzenzeiten ausreichen. Durch intelligente Stromnetze soll eine zeitliche Anpassung des Verbrauchs getestet werden, um einen unnötigen Netzausbau zu vermeiden.

„Das ist wie mit einem Kirschbaum, der die Kirschen im Sommer trägt“, erklärte Wolfram Heckmann vom Fraunhofer-Institut das Problem der Energiegewinnung aus Sonnenkraft. Nur wenn die Sonne scheint, wird Energie gewonnen, in der Mittagszeit deutlich mehr, als verbraucht wird. Die Lösungen für die Nutzung der Kirschen wären das Ausprobieren neuer Rezepte und das Einkochen der Früchte. Und vergleichbar funktioniere der Praxistest des Projektes.

In insgesamt 50 Haushalten soll anstelle des bisherigen Haushaltsstromzählers ein intelligenter Stromzähler installiert werden, der genau anzeigt, wie hoch der Stromverbrauch zu welcher Tages- und Nachtzeit ist.

Auch Messergebnisse der vergangenen Tage, Wochen und Monate werden angezeigt. Damit erhalten die Haushalte genaue Informationen über ihren Energieverbrauch.

Gerät ermittelt günstige Zeit

In 20 Haushalten soll außerdem ein BEMI (Bidirektionales Energiemanagement Interface), ein Energiemanagementsystem installiert werden. Das Gerät sieht aus wie ein Internet-Router und hat eine Verbindung zum Stromzähler, zur nächsten Trafostation und auf Wunsch auch passwortgeschützt zum eigenen Computer im Haushalt. Über Wettervorhersagen ermittelt das Gerät fiktive günstige Stromzeiten bei Stromüberschuss im Netz.

Das bleibt wie bisher

Für die Haushalte ändern sich also weder der Strompreis noch die Stromversorgung, und auch der Stromanbieter bleibt während der Testphase der selbe wie vorher.

Über Funk steuert das Gerät spezielle Steckdosen an, beispielsweise von Kühltruhen und Elektrospeicherheizungen, die automatisch die günstigen Stromzeiten nutzen.

Die Haushalte sollen darüber hinaus versuchen, ihren Stromverbrauch in Stromüberschusszeiten zu erhöhen, beispielsweise durch den Betrieb von Waschmaschine, Spülmaschine und Trockner in der sonnigen Mittagszeit.

Quelle: HNA

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