Vor 20 Jahren mit Lkw in Haus gerast

Nikolaj Gubenko verhinderte eine Katastrophe: Jetzt starb er mit 63 Jahren

Bekam viel Unterstützung: Nikolaj Gubenko starb mit 63 Jahren. Nach dem Unfall 1995 halfen ihm viele Menschen aus Melsungen. Foto: privat

Melsungen. Er war der Mann, der vor fast 20 Jahren mit seinem Lkw in ein Haus in der Innenstadt raste: Jetzt ist Nikolaj Gubenko tot. Durch sein umsichtiges Verhalten wurde bei dem Unfall damals niemand außer ihm selbst verletzt.

Viele Melsunger waren ihm deshalb in Dankbarkeit verbunden und unterstützten ihn finanziell, berichtet die Melsungerin Gisela Witzel.

„Mir hat einfach imponiert, dass diesem Mann offenbar das Leben anderer wichtiger war als sein eigenes“, sagt Witzel, die die Nachricht von Gubenkos Tod kürzlich erreichte. Bis zuletzt hatte sie regelmäßig Kontakt zu dem 63-Jährigen.

Nikolaj Gubenko, der bis zu seinem Tod in Minsk (Weißrussland) lebte, war an jenem 22. Februar 1995 mit seinem Sattelzug von der A 7 abgefahren, weil er Probleme mit den Bremsen seines Sattelzugs hatte. Er wollte sie in Melsungen reparieren lassen. Vom Gefälle der Straße in Richtung Melsungen ahnte er nichts. Und so nahm der Sattelzug immer weiter an Fahrt auf und raste in Richtung Innenstadt.

Gubenko - so berichtete die HNA damals - habe durch Ausweichmanöver, Hupen und Winken die anderen Verkehrsteilnehmer - darunter ein vollbesetzter Schulbus - auf sich aufmerksam gemacht. Mit Tempo 70 prallte er Am Bitzen gegen eine Hauswand.

Wie durch ein Wunder wurde außer ihm selbst niemand verletzt. Der damals 44-Jährige verlor bei dem Unfall allerdings sein Bein und damit auch seine Existenzgrundlage.

Kurz nach dem Unfall im Februar 1995 hatte Gisela Witzel gemeinsam mit Anneliese Hauff eine Spendenaktion für Gubenko ins Leben gerufen. „Er bekam nur 26 Mark Rente, hatte aber noch Kinder zu versorgen“, sagt Witzel. Bis zuletzt hätten die Melsunger mit ihren Spenden dafür gesorgt, dass er und seine Familie mit 1000 bis 1200 Euro im Jahr unterstützt werden konnten.

In all den Jahren seien rund 25 000 Euro zusammen gekommen, sagt Gisela Witzel. „Viele Melsunger waren ihm dankbar, dass er Schlimmeres verhindert hat. Mich hat diese Spendenbereitschaft wirklich berührt.“ Doch nicht nur finanzielle Hilfe hat Gubenko erfahren, auch Beinprothesen und Elektrorollstühle wurden gespendet, um ihm das Leben nach dem Unfall zu erleichtern. Gubenko, so erzählt Witzel, sei immer wieder zu Tränen gerührt gewesen, weil so viele Menschen Anteil an seinem Schicksal nahmen.

„Die letzten 1500 Euro, die noch auf dem Spendenkonto waren, haben wir nun seiner Frau für die Beerdigung überwiesen“, sagt Witzel. Den Kontakt zu Gubenkos Familie in Minsk will die 79-Jährige weiter aufrecht halten. (kam)

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Quelle: HNA

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