Fernseh-Kabarettist Hans Scheibner gastierte mit Familie in Homberger Stadthalle

Nikolaus-Idyll in großer Gefahr

Himmlische Belegschaft: Nikolaus Hans Scheibner und Tochter Raffaela als Engel betrieben feinsinnige Ursachenforschung rund ums Weihnachtsfes.

Homberg. Eine Holzkiste, ein Tisch und zwei Stühle: Eine spartanische Kulisse. Mehr jedoch benötigte einer der dienstältesten deutschen Kabarettisten nicht, um sein Publikum auf schrecklich gemütliche Weihnachten einzustimmen.

Auf Einladung des Homberger Kulturrings war Hans Scheibner, enfant terrible des 1980er TV-Kabaretts, am Freitagabend mit seinem Weihnachtsprogramm „Wer nimmt Oma?“ in der Stadthalle zu Gast.

Gemeinsam mit Ehefrau Petra-Verena Milchert-Scheibner und Tochter Raffaela präsentierte der heute 76-Jährige mal scharfzüngig-ironische, mal liebenswert-humorvolle Geschichten, Gedichte und Lieder rund ums Fest. Ebenso routiniert bewegte sich das Familien-Ensemble mit lauten Worten, besonders effektiv aber mit leisen Zwischentönen auf politischem, wirtschaftlichem und gesellschaftlichem Themenparkett.

Vorweihnachtliche Reiberei

Lästerlyrisch arbeiteten sie Steinbrücks üppige Redner-Honorare und Wowereits Flughafen-Fehlplanung, fatale medizinische Transplantations- und blutsaugende Zinspolitik auf. Zugleich hielt das Trio mit einer großen Palette familiärer vorweihnachtlicher Reibereien der Hundertschaft Gäste im Saal gnadenlos treffsicher den Spiegel vor.

Einkaufsstress, Geschenke-Chaos und die durch einen „Naturpfusch“ schräg gewachsene Weihnachtstanne, die nach Totalamputation und Neuaufbau per Säge und Bohrer endlich gerade im Sockel steht: Die Gelegenheit für eine stimmgewaltige Krawallschlacht ist zum Fest besonders günstig.

Bierselige Gemütsruhe

Das gilt auch im Hinblick auf den ungebetenen Traditionsgast, der mit bierseliger Gemütsruhe in den Vorbereitungsstress platzt – und für das Problem: „Wer nimmt Oma?“ Diesen Zankapfel des Nachwuchses umschifft Oma Beerbaum durch einen spontanen Mallorca-Trip – und bringt damit das mühsam aufrecht erhaltene Familienidyll zum Einsturz.

Gefährdet ist auch die Nikolaus-Idylle im Himmel, lässt doch ein rüdes Sparpaket den Schlitten des Gabenbringers wackeln: Statt Geschenkauslieferung soll sich die himmlische Besatzung nun um den Weihnachtsmüll kümmern.

Ob als Präsentbringer, trinkfreudiger Weihnachtsjunkie oder Polit-Realist, als Märchen-Gespann oder zeterndes Ehepaar, als biederes Vereinsmitglied oder begeisterte Fußballfan-Oma: Die Rollen- und Szenenwechsel waren so vielseitig wie die Themenpalette. Das Publikum dankte mit herzlichem Applaus.

Von Sigrid Ehl-von Unwerth

Quelle: HNA

Kommentare