Aus brennendem Haus gerettet: Wilfried Siebert hat zwei Lebensretter

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Ausgezeichnet: Lebensretter Nimrod Kuhn (links) und Michael Lindemann (rechts) mit Wilfried Siebert.

Obergrenzebach. Den 31. Oktober 2011 wird Wilfried Siebert aus Obergrenzebach nie vergessen. Feuer zerstörte das Haus des 65-Jährigen. Aber Wilfried Siebert lebt. Das hat er Nimrod Kuhn und Michael Lindemann zu verdanken.

Die beiden Mitarbeiter der Gemeinde waren buchstäblich zur richtigen Zeit am richtigen Ort und retteten so dem Rentner das Leben. Dafür wurden sie jetzt in der Staatskanzlei mit der Hessischen Rettungsmedaille ausgezeichnet.

Es passierte an einem Montagmittag. Siebert ging, nachdem er sich das Essen auf dem Herd heiß gemacht hatte, hinüber zur Nachbarin, um ihr ein Kuchenblech zurück zu bringen. „Wir haben uns länger unterhalten. Als ich zurück zum Haus ging, sah ich schon den Qualm“, erinnert sich der 65-Jährige.

Ohne nachzudenken sei er durch die Kellertür hinein gelaufen. „Um zu retten, was zu retten war.“ Dass es aus dem Obergeschoss qualmte, hatten zur selben Zeit bereits Nimrod Kuhn (28 aus Frielendorf) und Michael Lindemann (40 aus Obergrenzebach) aus der Ferne entdeckt. Sie waren auf der nahen Straße mit Pflasterarbeiten beschäftigt gewesen. Sie sahen auch, wie Siebert zum Haus eilte und hinein ging. „Wir haben noch gerufen, er soll nicht mehr reingehen - vergeblich“, erzählt Lindemann.

Die Feuerwehr hatten die Helfer bereits alarmiert. Beide liefen zur Haustür. „Drinnen knackte es gewaltig, und es waren Schläge zu hören“, sagt Kuhn. „Ich war bis zur Küche gelaufen, merkte dort aber, dass ich kaum noch Luft bekam. Ich wollte nur noch raus“, beschreibt Siebert das Erlebte. Im Flur habe er jedoch den Türgriff nicht mehr gefunden. Dann sei ihm schwarz vor Augen geworden. Zur selben Zeit trat Nimrod Kuhn die Haustür ein. „Wilfried Siebert fiel uns quasi vor die Füße“, erzählt er. Ansprechbar sei er nicht mehr gewesen. „Ihm lief braune Flüssigkeit aus Mund und Nase“, sagt Lindemann, der durch seine Arbeit im Freibad Großropperhausen fit in Erster Hilfe ist.

Im Freien brachten die Retter Siebert in die stabile Seitenlage, Nachbarn holten Decken. Der Rentner wurde ins Krankenhaus eingeliefert und blieb zur Beobachtung dort. Auch die Retter wurden in der Klinik untersucht. Bis auf einen Reizhusten waren sie unverletzt geblieben.

Wer ihn gerettet hatte, hatte der Obergrenzebacher nur im Unterbewussten mitbekommen. Drei Tage später rief er Kuhn und Lindemann an: „Ein Dankeschön, das ist das mindeste“, sagt er. Zweieinhalb Jahre liegt das jetzt zurück. Wilfried Siebert hat das Haus mittlerweile renoviert, ist im Februar wieder eingezogen. Ausgegangen war der Brand wohl vom Herd.

Nimrod Kuhn und Michael Lindemann freuen sich über die Rettungsmedaille: „Es ist schön, wenn ein solcher Einsatz wertgeschätzt und gewürdigt wird.“ Keiner der beiden hat in der Situation darüber nachgedacht, dass sie sich auch selbst in Gefahr bringen: „Es ist in solchen Momenten auch nicht wichtig, alles richtig machen. Die Hauptsache ist, dass man überhaupt etwas tut“, sagt Lindemann.

Von Sandra Rose

Quelle: HNA

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