Vater Karl wanderte 1921 aus, Sohn John überlebte Jahre in sibirischen Arbeitslagern

Die Nobles aus Homberg

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Vater und Sohn: Charles Adolph Noble (vorn), geboren 1892 als Karl Adolf Spanknöbel in Homberg, und sein Sohn Sir John H. Noble, der 1923 in den USA geboren wurde.

Homberg. Der Vater war Schuhmachermeister in Homberg, Sohn Karl wanderte in die USA aus und brachte eine der ersten Spiegelreflexkameras nach Deutschland, Enkel John wurde zu einem Kämpfer für Frieden und Freiheit. Diese ungewöhnliche Familiengeschichte erforscht Ahnenforscher Jürgen Metz.

Familiäre Verbindungen brachten Metz auf die Spur einer Familie, die ihre Wurzeln in Homberg hat. Dort wurde Karl Adolph Spanknöbel am 6. September 1892 als Sohn des Schuhmachers Konrad Spanknöbel geboren. Bis zu seiner Auswanderung 1921 wohnte er am Marktplatz.

In den USA erhielt er 1931 die Staatsbürgerschaft und änderte seinen Namen in Charles Adolph Noble. Mit seiner Ehefrau Hildegard baute er in den USA eine fototechnische Firma auf.

Als die Dresdner Kamera-Werkstätten Guthe & Thorsch von ihren jüdischen Eigentümern im Nazi-Deutschland verkauft werden mussten, griff Charles Noble 1938 zu. Benno Thorsch wiederum erwarb im Gegenzug Nobles Detroiter Firma.

Das Ehepaar Noble: Karl Spanknöbel, später Charles Noble, heiratete Hildegard Gerding.

Der gebürtige Homberger erkannte, dass in der 35 mm-Spiegelreflexkamera die Zukunft der Fotografie lag und ließ die später weltberühmte Praktiflex entwickeln, die erstmals 1939 auf der Leipziger Messe präsentiert wurde.

Nach Kriegsende wurde die Familie enteignet, die Firma 1946 konfisziert. Das Noble-Werk ging im Kombinat Pentacon auf. Charles Adolph Noble und sein Sohn John waren bereits 1945 unter dem Spionage-Vorwurf vom russischen Geheimdienst verhaftet worden. Charles wurde zu sieben Jahren Haft verurteilt, er kam 1952 frei und ging in die USA.

Sein Sohn jedoch, der 1923 in Detroit geborene John H. Noble, verschwand 1950, als die DDR-Speziallager aufgelöst wurden, in sibirischen Arbeitslagern. Seine Eltern erfuhren erst Jahre später durch eine Postkarte, die er herausgeschmuggelt hatte, dass er noch lebte. Erst durch persönliche Intervention von US-Präsident Dwight D. Eisenhower wurde er mit anderen amerikanischen Kriegsgefangenen 1955 freigelassen.

In den USA wurde John Noble berühmt. Sein Buch „Ich war Sklave in Russland“ verkaufte sich 1,3 Millionen Mal. Noble verschrieb sich der Friedensarbeit und der Aufklärung über die Folgen von Diktatur und Menschenverachtung. In Vorträgen und Büchern berichtete er weltweit von den Geschehnissen in dem sibirischen Gefangenenlager Workuta. Er erhielt viele Auszeichnungen.

1990 kehrt John Noble nach Dresden zurück, um seinen nie aufgegebenen Kampf um die Rückgabe der Kamerawerke fortzuführen. Produktionsstätten und Privatvilla erhielt er zurück, doch nicht die Namensrechte (siehe Hintergrund).

Seine Witwe, die Verlegerin Katharina Förster-Noble, hat im Mai 2011 das Hörbuch mit dem Titel „Wie man die Hölle überlebt“ von Sir John Noble auf den Markt gebracht. Außerdem einen Dokumentarfilm über die sowjetischen Zwangsarbeitslager. (ula)

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Mehr über John Nobles Leben im Internet unter www.john-noble.de

Quelle: HNA

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