Noch Bedarf an Lehrstellen

Die heiße Phase hat begonnen: Viele Jugendliche suchen jetzt einen Ausbildungsplatz. Der DGB kritisiert, dass es zu wenige offene Stellen gibt. Im Handwerk (Foto) werden teilweise noch junge Leute gesucht. Foto: Archiv

Schwalm-Eder. Deutlich mehr Jugendliche im Schwalm-Eder-Kreis suchen einen Ausbildungsplatz, als es Lehrstellen gibt. Darauf hat die DGB-Jugend hingewiesen.

Laut der jüngsten Ausbildungsmarkt-Statistik der Bundesagentur für Arbeit hätten sich 823 Jugendliche im Landkreis als ausbildungsplatzsuchend gemeldet. Dem stünden derzeit nur 577 Ausbildungsplätze gegenüber, erklärte André Schönewolf, Jugendbildungsreferent beim DGB in Nordhessen. Das seien 162 Stellen weniger als im Vorjahr.

„Anstatt vom Fachkräftemangel zu reden, sollten die Unternehmen bereits jetzt Ausbildungsverträge mit den Jugendlichen abschließen“, so der Gewerkschafter. Mit einer frühzeitigen Zusage könnten sich sowohl die Auszubildenden als auch die Betriebe aufeinander einstellen.

Zahlen werden bestätigt

Die von der DGB-Jugend genannten Zahlen bestätigte Günter Felgenhauer, stellvertretender Teamleiter bei der Arbeitsagentur im Schwalm-Eder-Kreis. Zu Panik bestehe allerdings kein Grund. Viele Jugendliche hätten sich noch nicht entschieden, welchen Beruf sie erlernen wollten. Für die Zurückhaltung auf dem Ausbildungsmarkt macht Felgenhauer unter anderem auch die ungewisse betriebliche Entwicklung und die Witterung mitverantwortlich. Viele seien noch unschlüssig, ob sie angesichts der Konjunktur und der Auftragslage ausbilden sollten, sagte der stellvertretende Teamleiter. Für einige Berufe, wie Fleischerei und Bäcker, werde es immer schwieriger, Auszubildende zu finden.

Die vom DGB genannten Zahlen seien wohl richtig, die Schlussfolgerungen des DGB aber nicht, meinte Wolfgang Scholz, der stellvertretende Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft. Zum gegenwärtigen Zeitpunkt sei der Ausbildungsstellen-Markt noch sehr in Bewegung.

41 freie Plätze im Handwerk

Tatsächlich habe sich die Zahl der 2012 neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge gegenüber dem Vorjahr von 370 auf 352 reduziert, erklärte Scholz. Laut einer Umfrage von Januar/Februar würden zurzeit 41 freie Ausbildungsstellen im Handwerk im Schwalm-Eder-Kreis angeboten. Scholz: „Wir rechnen damit, dass die Zahl der Stellenangebote ansteigen wird.“

Die Eignung der Bewerber spielt seiner Meinung nach die entscheidende Rolle. Wer in der Schule überwiegend Misserfolge erlebt habe, werde es auch in der Ausbildung schwer haben, sagt Scholz. Dennoch könne auch schwächeren Schülern geholfen werden. Ausbildungsbegleitende Hilfen (ABH) seien geeignet, eventuelle schulische Defizite von Lehrlingen auszugleichen. Der Starthilfe-Ausbildungsverbund biete beispielsweise solche Kurse an.

Das IHK-Servicezentrum Schwalm-Eder äußerte sich auf Anfrage der HNA nicht zu den Zahlen.

Von Heinz Rohde

Quelle: HNA

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