Der Homberger Ernst Wagehals ist seit 60 Jahren in der Raiffeisen-Organisation tätig

Mit 76 noch im Dienst

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Denkt noch nicht ans Aufhören: Ernst Wagehals feiert sein 60. Dienstjubiläum.

Kassel/Homberg. Er ist akkurat gekleidet: graues Jacket, blaues Hemd, gestreifte Krawatte. Dass Ernst Wagehals einmal Profifußballer werden wollte, vermutet man auf den ersten Blick nicht. Seit 60 Jahren steht der 76-Jährige im Dienst der Raiffeisen-Organisation.

In der heutigen Zeit ein außergewöhnliches Jubiläum.

Die Stationen seines Berufslebens hat er sorgfältig auf einem Blatt Papier notiert. Punkt für Punkt arbeitet er sie ab.

Er erzählt, dass er in Relbehausen geboren und aufgewachsen ist. Am 1. April 1953 beginnt er nach der Mittleren Reife eine Lehre zum Großhandelskaufmann bei der Raiffeisen-Warenzentrale in der Außenstelle Homberg, verdient sich seine beruflichen Sporen dann in mehreren Agrar-Außenstellen. Diese versorgen Landwirte mit Dünge- und Futtermittel sowie Saatgut und sind für den Einkauf von Getreide zuständig. „Der Direktor der Raiffeisen-Warenzentrale hat mir damals eine gute Zukunft vorhergesagt“, sagt Wagehals.

In dieser Zeit spielt er Fußball in der 1. Hessischen Amateurliga beim CSC 03 Kassel und beginnt, Langstrecken zu laufen. Er habe auch ein Angebot vom KSV Hessen Kassel bekommen. „Der Vertrag liegt heute noch bei mir zu Hause“, sagt er. Den Schritt zum Profifußballer macht er nicht, er entscheidet sich für eine solide Karriere. 1963 wird er Leiter der Abteilung Ware bei der Raiffeisenbank Frielendorf.

In den 1970er-Jahren schafft er sich ein zweites Standbein, absolviert eine Ausbildung zum Bankkaufmann und wird 1978 in den Vorstand der Bank berufen. Nachdem die Raiffeisenbank Frielendorf und die Volksbank Homberg verschmelzen, wird er Mitglied im Vorstand der Volks- und Raiffeisenbank Schwalm-Eder. Das Warengeschäft der Bank übernimmt 1992 die Raiffeisen-Warenzentrale, und Wagehals, damals 56 Jahre alt, wechselt wieder zu seinem ehemaligen Arbeitgeber nach Kassel. Dort bearbeitet, klärt und wickelt er Forderungen bei Valutaüberschreitungen bei Kunden ab.

Am 1. April 1997 geht er in Rente. Auf die Bitte des Unternehmens betreut er jedoch noch weiter das Forderungsmanagement. Seine Arbeitszeiten kann er sich heute frei einteilen. „Das, was ich zusätzlich verdiene, versteuere ich natürlich und bezahle auch Krankenkassenbeiträge“, betont er. Einen Dienstwagen fährt er ebenfalls.

Begeisterter Marathon-Läufer

Fasziniert an seinem Beruf hat ihn in all den Jahren dessen Vielseitigkeit. „Ich habe die komplette Entwicklung von der Sense zum Mähdrescher mitgemacht“, erzählt Ernst Wagehals. Er sei jeden Tag gerne zur Arbeit gegangen. Heute widmet sich der zweifache Familienvater, der in Homberg wohnt, hauptsächlich dem Sport: „Der hält jung und frisch.“

Mittlerweile läuft er Marathon und zum Training 60 Kilometer in der Woche. „Ich bin schon auf allen Erdteilen gelaufen“, sagt er. In diesem Jahr steht der Rennsteig-Lauf auf seinem Programm - zum 15. Mal. Beim Laufen begleitet ihn häufig Nadine (25), das älteste seiner vier Enkelkinder. Außerdem ist er ein begeisterter Skifahrer. Wann er aufhören will zu arbeiten? Er grinst. „Auch die Arbeit hält jung“, sagt er.

Von Mirko Konrad

Quelle: HNA

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