Willi Blums Herz schlägt seit 1961 für den Spielmannszug Felsberg

Mit 80 noch Musik im Blut

Auch im Alter gut bei Puste: Willi Blum spielt alle drei Wochen mit Spielmannszug-Senioren im Felsberger Jugendzentrum. Rechts seine Tochter Rosel Rudolf. Foto: Schaake

Felsberg. Schon als Kind spielte Willi Blum Mundharmonika. Als 17-Jähriger kaufte er sich eine Ziehharmonika, mit der er heute noch für Geselligkeit sorgt. Auch mit 80 Jahren hat Willi Blum Musik im Blut. Heute feiert er seinen Geburtstag. Niemand hat den Spielmanns- und Fanfarenzug Felsberg so gefördert wie er. Noch immer geht er freitags ins Jugendzentrum, um mit den acht bis neun verbliebenen Spielleuten zu üben. Weit über 300 Jungen und Mädchen hat Blum die Querflöten-, Trompeten- und Fanfarentöne beigebracht.

Als 16-Jähriger trat er dem Spielmannszug Obervorschütz bei. Nach Noten wurde damals nicht gespielt. „Organist Willi Schaumlöffel spielte die Marschmeldodien auf dem Klavier, und wir flöteten sie nach“, erinnert sich Willi Blum. 1961 zog der Landmaschinenmechaniker, der kürzlich mit seiner Frau Helga Goldene Hochzeit feierte, nach Felsberg. Und gleich in den Spielmannszug. Als Blum 1963 zum Spartenleiter gewählt wurde, begann die Wende. Zusammen mit Stabführer Willi Wissing begann der erfolgreiche Neuaufbau des Spielmannszuges. Den hatte es schon vor dem Ersten Weltkrieg gegeben, seit 1951 gehört er wieder zur Felsberger Eintracht.

Geduld ist Blums Erfolgsrezept, der 26 Jahre lang Spartenleiter war und bis 1965 auch Fußball spielte. Er infizierte auch Tochter Rosel und deren Sohn Sven sowie seinen Sohn Volker mit dem Musikvirus. Enkel Jan-Hendrik lernte Blockflöte. Alle drei Wochen übt Blum in Felsberg mit Senioren-Spielleuten aus Besse, Brunslar, Gudensberg und Felsberg. Tochter Rosel (57) ist die Jüngste, Konrad Momberg aus Brunslar mit 86 der Älteste. Die Musik hält die Senioren jung.

Willi Blum, Träger des Landes-Ehrenbriefes, war stets ein Vorbild für die Jugend. Bei den 1031 öffentlichen Auftritten seit 1963 in Deutschland und Frankreich war er 999-mal dabei. Wie viele Stunden Freizeit er in die Musikerziehung anderer investiert hat – niemand hat sie gezählt. Nie hat Willi Blum „seinen“ Spielmannszug im Stich gelassen. Gern erinnert er sich an die Auftritte in der Partnerstadt Vernouillet, in Hamburg und Fichtelberg.

Dass der Spielmanns- und Fanfarenzug seit 2008 mangels Nachwuchs nicht mehr öffentlich auftreten kann, schmerzt ihn. „Jahrzehntelange Aufbauarbeitet endet im Nichts“, bedauert er. Und: „Die Jugend hat heute andere Interessen.“ Genau 376 Spielleute hat Blum seit 1961 begleitet, in den besten Zeiten gab es Aufritte mit 52 Aktiven. „Es wäre schön“, sagt Blum, „wenn man sich zusammenraufen würde und wir wieder öffentlich auftreten könnten.“

Vielleicht klappt es ja im nächsten Jahr zum 150. Jahrestag der Eintracht. Willi Blum jedenfalls wird mit all denen, die in die Übungsstunden kommen, üben: „Solange es geht, mache ich weiter.“ Das ist für ihn Ehrensache.

Von Manfred Schaake

Quelle: HNA

Kommentare