Ulrike Schöpp von der Gemeinde Malsfeld half einer THS-Schülerin aus der Patsche

Nacht- und Nebelaktion: Per Notpass nach Shanghai

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Wolfgang Lamprecht.

Malsfeld/Homberg. Wenn es jemanden gibt, dem Wolfgang Lamprecht dankbar ist, dann Ulrike Schöpp. Die Mitarbeiterin im Malsfelder Rathaus hat es mit einem Nacht-und-Nebel-Einsatz ermöglicht, dass Lamprechts Tochter Eva zum Schüleraustausch nach China fliegen konnte – obwohl ihr Pass weg war.

Schöpp half der 17-Jährigen aus ihrer großen Not: Sie stellte ihr an einem Samstag gegen 23 Uhr einen Ersatzpass aus. Wenige Stunden später flog Eva nach Shanghai.

„Ich wollte nicht, dass diese Reise an der Gemeindeverwaltung oder an mir scheitert.“

Dabei hatte alles ganz entspannt angefangen: Die 17-Jährige nahm am Austauschprogramm der Homberger Theodor-Heuss-Schule (THS) teil. Die Organisation lief, das Visum war beantragt, das Ticket ausgestellt. Eva Lamprecht packte die Unterlagen in einen Umschlag und legte ihn in der Küche ab.

Doch als sie ihn am Tag vor der Abreise einstecken wollte, war er weg. Einfach weg. „Wir haben stundenlang gesucht“, berichtet Wolfgang Lamprecht. „Wir haben die blaue Tonne zwei Mal durch sortiert, gelbe Säcke ausgeschüttet, jedes Blatt Papier zig Mal umgedreht“, sagt Lamprecht. Alles vergeblich: Der Umschlag mit Ticket, Pass und Visum blieb verschwunden.

Ein Anruf bei Lehrer Dr. Uwe Rose bestätigte die düstere Ahnung: Eine Einreise nach China ohne Pass sei undenkbar, habe Rose gesagt. Mittlerweile war es 21.30 Uhr und die Panik groß. Da habe er zum Hörer gegriffen und Ulrike Schöpp angerufen, berichtet Wolfgang Lamprecht. Seine Hoffnung war es, dass die Mitarbeiterin des Einwohnermeldeamts eine Art Notdokument ausstellen könnte.

Ulrike Schöpp hörte sich die Geschichte an und fuhr ins Rathaus – allerdings ohne zu wissen, ob der späte Einsatz Erfolg haben würde. „Ich hatte mich bis dahin nie gefragt, ob die Leitung ins kommunale Gebietsrechenzentrum auch am Wochenende steht“, sagt die Mosheimerin.

Eine Stunde vor Mitternacht

Die Leitung aber stand: Eine Stunde vor Mitternacht war das Notdokument ausgestellt, Wolfgang Lamprecht erleichtert, seine Tochter überglücklich. Als dann noch die chinesische Botschaft am nächsten Tag ein Ersatzvisum ausstellte, konnte sie abheben.

Lamprecht hat unserer Zeitung die Geschichte erzählt, er will den Einsatz von Ulrike Schöpp würdigen. „Es wird oft auf den öffentlichen Dienst geschimpft– aber dieses Beispiel zeigt doch, dass auf die Malsfelder Mitarbeiter Verlass ist, wenn es brennt.“

Für Ulrike Schöpp war ihr Einsatz selbstverständlich: „Ich wollte nicht, dass diese Reise an der Gemeindeverwaltung oder an mir scheitert“, sagt sie. Für sie ist eines klar: Das war ein echter Notfall – aber auch die große Ausnahme. Denn solche Einsätze nachts im Rathaus werden für sie bestimmt nicht zur Regel.

Eva Lamprecht ist zurück aus Shanghai. Der Umschlag aber ist nach wie vor verschwunden. Wolfgang Lamprecht staunt: „Und da heißt es doch immer, das Haus verliert nichts.“

Von Claudia Brandau

Quelle: HNA

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