Frau starb nach Wiederbelebung

Notruf: Statt Hilfe kam die Warteschleife

Schwalm-Eder. Es war kurz vor 3 Uhr in der Nacht, als die Mutter von Stephan K. (Name ist der Red. bekannt) im Hausflur zusammenbrach. Der 24-Jährige handelte sofort und wählte den Notruf 112. Doch er kam nicht durch.

Stephan K. spricht von einer Bandansage, die er immer wieder zu hören bekommen habe.

Nach mehreren Anrufen vom Festnetz und per Handy rief er schließlich den Polizeinotruf 110. Die Polizei habe eine direkte Verbindung zur Leitstelle, sagte Polizeisprecher Reinhard Giesa auf HNA-Anfrage, und habe Stephan K. auch weiterverbunden. Offenbar landete er erneut in einer Schleife, erst ein zweiter Anruf über die Polizei hatte Erfolg. Es habe nach seiner Schätzung fast eine Dreiviertelstunde gedauert, bis der Rettungswagen schließlich eintraf, schätzt Stephan K. Allerdings habe er in dieser Situation nicht ständig auf die Uhr geschaut. Seine Mutter sei dreimal wiederbelebt worden, bevor sie schließlich verstarb.

Vizelandrat Winfried Becker, in dessen Zuständigkeit die Leitstelle fällt, zeigte sich erschüttert. „Da ist etwas furchtbar schiefgelaufen“, sagte er zu dem Vorfall in der Nacht zu Fronleichnam.

Laut Aufzeichnungen der Leitstelle sei der Anruf tatsächlich sechs Minuten lang ins Leere gelaufen. Das dürfe nicht passieren. Eine Erklärung für die Zeitverzögerung habe er bisher nicht, sagte Becker, er werde aber noch mit den Leitstellen-Disponenten sprechen. Rund um die Uhr sind in der Leitstelle des Schwalm-Eder-Kreises zwei Diensthabende eingesetzt. Bei Bedarf – etwa bei Katastrophen – kann das Personal aufgestockt werden.

Niemand weiß, ob Stephan K.s Mutter noch leben würde, wäre der Notruf schneller beantwortet worden. Vermutlich wäre sie zumindest zum Pflegefall geworden, habe der Hausarzt gesagt. So oder so ist Stephan K. schockiert, weil er beim Notruf nicht durchkam.

Quelle: HNA

Rubriklistenbild: © picture-alliance/ dpa

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