Die Freien Wähler sind im Homberger Parlament künftig mit sechs Sitzen vertreten

Freie Wähler: Von Null auf 15 Prozent

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Starteten voll durch: Die Freien Wähler aus Homberg traten zum ersten Mal bei Wahlen an - und erreichten aus dem Stand 15 Prozent. Günther Koch (links) und Dietmar Groß gehen nun hochmotiviert an die Arbeit. 

Homberg. Die Homberger Landwirte Günther Koch und Dietmar Groß schwimmen auf einer Erfolgswelle: Die Sprecher der frisch gegründeten Freien Wähler (FW) sprechen im HNA-Interview über ihre politischen Ziele.

Anscheinend haben Sie einen Nerv getroffen: Die FWG ging bei der Wahl in Homberg durch die Decke. Ist Ihnen bange vor der Erwartungshaltung?

Günther Koch: Nein, gar nicht. Dieses Ergebnis ist einmalig. Und es bedeutet ja nicht nur einen riesigen Vertrauensvorschuss für uns. Es bedeutet die große Chance, endlich Altes abzuschütteln, Neues zu wagen. Viele Leute haben die Nase voll vom Stil, der bislang in der Politik herrschte.

Viele aber fragen auch nach den Inhalten der FWG. Auf den Plakaten steht „Bürgerwille verdient Respekt“. Reicht das als politisches Programm?

Dietmar Groß: Das ist tatsächlich unser großes Anliegen. Wir wollen die Homberger mitnehmen, begeistern, mit einbeziehen in die politische Arbeit. Aber natürlich haben wir auch andere Inhalte. Das Vorantreiben von regenerativer Energie beispielsweise.

Da können Sie sich mit den Grünen zusammentun, die haben auch ein Faible für das Thema.

Groß: Falls das die Frage nach einem Koalitionspartner ist: Vorsicht! Wir werden keinesfalls das machen, was immer gemacht wurde: Mehrheiten bilden, die Machtfrage klären und dann im Verbund abstimmen. Wir haben erlebt, was dabei heraus kommt.

Also sind Sie nicht auf der Suche nach einem Partner?

Koch: Nein. Wir wollen in konstruktive Debatten einsteigen. Die Machtfrage stellt sich uns nicht. Wir sind auch keine Konkurrenz zu den Grünen oder anderen Fraktionen. Genau dieses Denken wollen wir nicht. Schluss mit Konkurrenz! Wir wollen inhaltlich mit allen reden.

Vielleicht wird das schwerer als Sie denken. Mancher Politiker schiebt angesichts Ihres Senkrechtstarts echten Frust.

Koch: Dann muss er den runterschlucken. Das Taktieren aber muss endlich aufhören.

Welche Themen wollen Sie zuerst anpacken?

Groß: Wir werden auf jeden Fall die Energiefrage offensiv angehen. Und mehr Transparenz bei den Finanzen schaffen. Wir werden die Abermillionen Euro Schulden natürlich nicht tilgen – aber doch gucken, ob und wo sie abgebaut werden können. Und die Innenstadtgestaltung brennt uns ebenfalls auf den Nägeln.

Vor allem Letzteres, die Stadtentwicklung, beschäftigt die Leute.

Groß: Ja, aber bei allem, was bislang geplant und beschlossen wurde, fehlt es am Wichtigsten. Am Bürgergefühl. Das ist ganz wichtig, denn es drückt die Haltung, die Verbundenheit der Menschen zu und mit ihrer Stadt aus. Ohne Bürgergefühl gibt es keine Entscheidung, die Homberg voranbringt.

Koch: Am Sonntag haben wir das klare Signal bekommen, dass die Menschen genau das vermissen. Dieser Bürgerwille ist doch die Batterie, die die FWG speist.

Was wollen Sie anders machen, als die anderen Parteien ?

Koch: Unser Ziel ist es, politische Entscheidungen gut vorzubereiten und damit allen Hombergern die Chance zu geben, sich einzumischen. Wir wollen damit neben dem Parlament eine zweite Ebene installieren, auf der zusammen mit den Einwohnern Ideen und Projekte vorbereitet werden.

Das klingt, als gäbe es das alles bislang nicht.

Koch: Gibt es so auch tatsächlich nicht. Wir haben zwar durchaus gute politische Strukturen, auf denen man aufbauen kann. Das wertschätzen wir. Und wir wollen auch nicht alles schlecht reden. Aber jetzt sind die Karten neu gemischt für ein konstruktives Miteinander.

Zeitsprung: Ihre erste Legislaturperiode ist rum, die FWG war fünf Jahre im Homberger Parlament. Vervollständigen Sie bitte den Satz: „In den vergangenen fünf Jahren haben wir erreicht...

Groß: ... dass wir in Homberg viel mehr Energie mit Wind, Wasser, Sonne und Biomasse selbst erzeugen.

Koch: ... dass die Homberger enger zusammengerückt sind und positiv denken.

Groß: ... dass sich die Homberger freuen, in Homberg zu leben.

Quelle: HNA

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