Mann aus Bus abgeführt

"Nur weil ich schwarz bin" - Afrikaner fühlt sich von Polizei schikaniert

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Fühlt sich diskriminiert und verletzt: John S. aus Afrika, der von der Polizei in einem Bus aufgegriffen wurde.

Schwalm-Eder. Der 28. Mai war für John S. (Name von der Redaktion geändert) kein guter Tag. Als er nachmittags in einen Bus eingestiegen war, wurde er, erzählt er, von der Polizei aus dem Fahrzeug geholt, weil die ihn eines Diebstahls verdächtigte. Die Art des Aufgriffs ist für den Mann unglaublich.

„Das ist alles nur wegen meiner Hautfarbe“, sagt der Afrikaner. Es sei bereits das vierte Mal gewesen, dass ihn die Polizei unschuldigerweise gefasst habe.

Der 31-Jährige lebt mit seiner Frau, einer Deutschen, und der zweijährigen Tochter im Schwalm-Eder-Kreis. Das Paar hatte sich kennengelernt, als die junge Frau vor zehn Jahren ein Auslandsjahr in Botswana verbrachte, wo der Mann in der Verwaltung tätig war. Die Hochzeit folgte ein paar Jahre später, seit einigen Jahren lebt der Mann nun mit der Familie im Landkreis. Im Moment absolviert John S. ein Fernstudium im Personalwesen und lernt Deutsch.

Zu einem Deutschkurs war er dann auch unterwegs, als er von der Polizei aufgegriffen wurde. Er war gerade in den Bus eingestiegen, als ein Polizeiauto vorfuhr und zwei Polizisten den Bus stoppten.

Sie forderten den Busfahrer auf, er solle die Tür öffnen und führten den Mann aus dem Bus ab. Dazu sei noch ein Beamter in Zivil in einem Mercedes gekommen, der den Polizisten half. Er passe auf eine Täterbeschreibung bei einem Diebstahl, sie müssten das prüfen, hatten die Polizisten gesagt.

Kurz zuvor war in einer benachbarten Straße Geld aus der Handtasche in einem Kosmetikstudio gestohlen worden. Die Inhaberin hatte den Diebstahl beobachtet und den flüchtigen Täter als einen Mann mit dunkler Hautfarbe beschrieben.

„Ich habe immer wieder gesagt, dass ich es nicht war“, sagt der Mann. Er habe für die fragliche Zeit Zeugen gehabt. Die Polizisten hätten dies aber nicht berücksichtigt, durchsuchten seinen Rucksack und die Taschen und hätten ihn dann zur sofortigen Gegenüberstellung zu der Besitzerin des Kosmetikgeschäftes gebracht.

Die Frau habe sofort erkannt, dass er nicht der Täter war. Danach wurde er frei gelassen. Dennoch ist er weiter geschockt. „Das Vorgehen hat mich tief beschämt und verletzt“, sagt er. Die Polizisten hätten ihm nicht zugehört. Er fühle sich gebrandmarkt. Da er ständig mit diesem Bus fahren muss, in dem er von der Polizei festgenommen wurde, schäme er sich nun vor den Menschen, die das beobachtet haben.

„Ich passte gar nicht auf die Beschreibung“, sagte John S. Der flüchtige Täter sei als wesentlich jünger (18 bis 20 Jahre) beschrieben worden, hatte im Gegensatz zu ihm lockiges Haar und einen helleren Hautton, sagte er. Auch in der Kleidung habe sich die Beschreibung unterschieden. „Das grenzt an Rassismus“ sagt seine Frau Sonja S. (Name von der Redaktion geändert). „Ich bin nur schwarz, wie der Dieb“, sagt der Mann.

Er stelle es nicht in Frage, dass die Polizei den Hinweisen nachgehen müsse. „Aber wie gut macht sie ihre Arbeit, wenn sie nur einem einzigen Hinweis nachgeht“, sagt er nachdenklich.

Polizei: "Fahndung nie eins zu eins"

Markus Brettschneider, Sprecher der Polizei Schwalm-Eder, berichtet, dass bei einer Fahndung die Täterbeschreibung nie eins zu eins übernommen werden könne. „Wir fahnden auch nach Leuten, die ähnlich aussehen.“ Auch die Hautfarbe sei ein Kriterium. Deshalb sei auch der Mann in das Raster gefallen. „Wenn sich im Tatortbereich Menschen aufhalten, die so ähnlich aussehen, überprüfen wir das. Genau das ist unsere Aufgabe.“ Das sei ein ganz normaler Vorgang.

„Wir klären dann so schnell wie möglich, ob die Person als Täter in Betracht kommt.“ Bei der sofortigen Gegenüberstellung mit dem Opfer, die gleich negativ ausfiel, sei dies geschehen. Rassismus kann Brettscheider dabei nicht erkennen. Der Mann sei sogar noch von der Streife nach Hause gefahren worden.

Von Christine Thiery

Quelle: HNA

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