Bewerbungsfrist für Interessenten endet im Mai

Obermelsungerin ist Jugendschöffin am Amtsgericht Fritzlar

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Kaum Vorbereitung: Magdalena Voit an ihrem Schreibtisch. Trotz ihrer Schöffentätigkeit schaut sie weder mehr Gerichtssendungen noch büffelt sie Gesetzestexte.

Melsungen. Magdalena Voit hat während ihres Berufslebens als Sozialpädagogin einiges erlebt und gesehen. „Als Jugendschöffin musste ich dann aber doch einige Male schlucken“, sagt die 64-Jährige aus Obermelsungen. Einbruch, Raub, Körperverletzung, sexueller Missbrauch und Totschlag.

Sie war als Schöffin in vielen Prozessen als ehrenamtliche Richterin dabei. Und sie hat mitgeholfen, gerechte Urteil zu fällen. „Wir sind gleichberechtigt. Theoretisch könnten die zwei Schöffen sogar den Richter überstimmen“, sagt sie und ergänzt, das komme aber eigentlich nicht vor.

Es sei gewollt, dass Schöffen keine juristische Vorkenntnis mitbringen; gesunden Menschenverstand, Einfühlungsvermögen und einen guten Gerechtigkeitssinn sollte man haben. Dann könnte man einen sehr interessanten Teil des Lebens entdecken. „Mit vielem wäre ich sonst nie in Berührung gekommen. Ich habe mittlerweile einen anderen Blick auf das Leben“, sagt sie. Irgendwie realistischer.

Manchmal sei sie während und nach den Verhandlungenwütend, traurig, manchmal einfach nur sehr betroffen. Gerade diese Emotionen seien wichtig und spannend. Mit ihrer Tätigkeit übernehme sie Verantwortung und gebe etwas zurück. Und sie hoffe, die Welt ein wenig gerechter zu machen. Auch wenn sie gelernt habe, dass Recht nicht immer gerecht sei.

Viel habe sie sich gewünscht: härtere Strafen genauso wie mehr Milde. Aber es sei eben nur möglich, was das Gesetz hergebe. Auch die Opfer kämen zu oft zu kurz. Fünf bis sechsmal im Jahr ist sie als Schöffin im Amtsgericht in Fritzlar, es gebe aber auch Schöffen beim Landgericht. Fünf Euro gebe es die Stunde als Aufwandsentschädigung und die Fahrtkostenerstattung dazu.

Ob das so gerecht sei? Sie lacht. Magdalena Voit wünscht sich mehr junge Menschen als Schöffen. Berufstätigkeit sei dabei erwünscht, Arbeitgeber müssten die Tätigkeit akzeptieren.

Eine weiße Weste muss sein

Die Bewerbungsfrist für Schöffen der Wahlperiode endet am 25. Mai.

Die Amtsperiode der Schöffen und Jugendschöffen endet am 31. Dezember, die Bewerbungsfrist bereits am 25. Mai. Um das Amt erneut ausüben zu können oder um für die kommende Amtszeit ab 1. Januar 2014 in die Vorschlagsliste aufgenommen zu werden, muss ein Antrag gestellt werden.

Die Schöffen haben die Möglichkeit, an Strafprozessen mitzuarbeiten. Als ehrenamtliche Richter sind sie an der Urteilsbildung beteiligt und übernehmen eine verantwortungsvolle und abwechslungsreiche Tätigkeit, heißt es in einer Mitteilung der Stadt Melsungen.

Die Amtszeit der ehrenamtlichen Richter beträgt fünf Jahre. Um als ehrenamtlicher Richter tätig zu werden, müssen einige Anforderungen erfüllt sein.

Die Anforderungen

 • Schöffen müssen die deutsche Staatsangehörigkeit besitzen. Eine zweite Staatsbürgerschaft ist unschädlich.

• Die deutsche Sprache muss ausreichend beherrscht werden. • Schöffen müssen bei ihrem Amtsantritt mindestens 25 Jahre alt und dürfen nicht älter als 69 Jahre sein. Der Stichtag, nach dem das Alter zu berechnen ist, ist der 1. Januar 2014.

• Bewerber müssen zum Zeitpunkt in der Stadt Melsungen wohnen. Eine Zweitwohnung reicht aus, wenn sich der Bewerber überwiegend in der Stadt Melsungen aufhält.

• Wer infolge einer gerichtlichen Entscheidung die Fähigkeit zur Bekleidung öffentlicher Ämter nicht besitzt (Verurteilung wegen eines Verbrechens), ist vom Schöffenamt ausgeschlossen. Dies gilt auch bei laufenden Ermittlungen.

• Unfähig zum Schöffenamt ist, wer wegen einer vorsätzlichen Tat zu einer Freiheitsstrafe (auch bei Bewährung) von mehr als sechs Monaten verurteilt wurde. Auch die Jugendstrafe ist eine Freiheitsstrafe in diesem Sinne.

• Die Bewerber dürfen nicht gegen die Grundsätze der Menschlichkeit oder der Rechtsstaatlichkeit verstoßen haben. Schöffen müssen geistig und körperlich geeignet sein, das Amt auszuüben.

• Unfähig zum Schöffenamt ist, wer betroffen ist von Insolvenz, Zahlungsunfähigkeit, drohender Zahlungsunfähigkeit oder Überschuldung. Angehörige bestimmter Berufe sollen nicht zum Schöffenamt berufen werden: Polizeipräsidenten, Staatssekretäre, Abteilungsleiter in einem Bundesministerium, justiznahe Berufe wie Richter, Staatsanwälte, Bewährungshelfer, Justiz- und Polizeivollzugsbeamte, gerichtliche Vollstreckungsbeamte, Rechtsanwälte, Notare. Für die Benennung von Schöffen können Vorschläge eingereicht werden von: Fraktionen/Parteien, Vereinigungen jeder Art, Arbeitgeberverbänden, Organisationen der kirchlichen und sozialen Arbeit, Sportvereinen, Umweltorganisationen und vielen mehr. (red)

Schriftliche Bewerbung: Magistrat der Stadt Melsungen, Am Markt 1, 34212 Melsungen, die Bewerbungsfrist läuft bis zum 25. Mai. • Rückfragen: Elke Wenderoth, Sekretariat Haupt- und Personalamt, Tel. 0 56 61/ 70 81 03, E-Mail elke.wenderoth@melsungen.de

Quelle: HNA

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