Obwohl andere Regeln gelten, streuen viele bei Glätte mit Salz

Salz ist beim privaten Winterdienst nur in Maßen erlaubt: Die Kommunen schreiben in ihren Satzungen die Verwendung von abstumpfendem Material wie Sand, Splitt und Asche vor. Foto: Archiv

Wolfhager Land. Eimer- und säckeweise steht es derzeit in den Geschäften: Streusalz. Und entsprechend großzügig wird es von manchem Hauseigentümer im Wolfhager Land auch eingesetzt. Eine Praxis, die nicht erlaubt ist.

Alle Kommunen im Altkreis Wolfhagen haben eine fast identische Straßenreinigungssatzung, in der folgende Vorschrift steht: „Als Streumaterial sind vor allem Sand und ähnliches abstumpfendes Material zu verwenden. Salz darf nur in geringen Mengen zur Beseitigung festgetretener Eis- und Schneerückstände verwendet werden.“ Eine Regelung, die auch für den Winterdienst der Kommunen gilt? „Ja“, sagt ein Sprecher des Wolfhager Rathauses. Eingesetzt würden Sand und Split und wo es nicht anders ginge, streue man Salz.

„Wir streuen so wenig wie möglich, aber soviel wie nötig“, sagt auch Harald Halberstadt aus dem Rathaus Habichtswald. In extremen Lagen sei es nicht anders möglich, auch aus Haftungsgründen. Das Streuen von Sand und Splitt sei allerdings eine Belastung für die Kläranlagen. In Großstädten wie München werde das Streumaterial ausgefiltert.

„Wir räumen in der Regel. Salz wird nur an Gefahrenstellen eingesetzt“, erklärt Walter Schmand von der Gemeinde Breuna.

„An Gefällstrecken und Kreuzungen setzen wie Salz behutsam ein“, sagt auch Naumburgs Bürgermeister Stefan Hable. Ansonsten findet er es wichtig, so wenig Salz wie möglich einzusetzen. Dies sei auch sein Appell an die Bürger. Um Streumittel so optimal wie möglich einzusetzen, nutze Hessen Mobil computergesteuerte Streutechnik und hoch wirksames Feuchtsalz, erklärt der Sprecher von Hessen Mobil in Bad Arolsen, Gerd Bohne. Es handele sich dabei um ein mit Magnesiumchlorid-Lösung angefeuchtetes Natriumchlorid-Trockensalz (FS30), das sich gleichmäßig verteile, sehr gut hafte und schon bei kleiner Menge große Tauwirkung erziele. „Pro Quadratmeter ist damit nur noch etwa einen Teelöffel Salz notwendig, das ist ein Vorteil für die Umwelt und den Steuerzahler“, so Bohne.

Feuchtsalz schon länger

Das Feuchtsalz wird von Hessen Mobil seit Ende der 80-er Jahre eingesetzt. Abstumpfende Streustoffe wie Splitt und Sand würden bei Hessen Mobil nicht mehr eingesetzt, erklärt Sprecher Gerd Bohne.

Diese müssten in wesentlich größerer Menge ausgebracht werden, um eine annähernd gleiche Wirkung zu erzielen. Außerdem seien die Splittkörner schon nach wenigen 100 Fahrzeugen aus den Rollspuren weggeschleudert, so dass die Wirkung nur sehr kurz anhalte. Geschwindigkeits- und Griffigkeitsmessungen hätten außerdem ergeben, dass gesplittete Strecken die Autofahrer in einer falschen Sicherheit wiegten, so dass das Unfallrisiko gegenüber der unbehandelten Straße sogar noch steige.

Ein weiteres Problem sei, dass die Splittkörner dazu neigten, aneinander festzufrieren und so die Streuer blockierten, weshalb teilweise Salz zugemischt werde, um dies zu verhindern.

Aufgrund dieser Nachteile setze Hessen Mobil schon seit den 60-er Jahren keine abstumpfenden Streumittel mehr ein.

Von Bea Ricken

Quelle: HNA

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