EKZ Wieragrund – Herche: Wenn der Standort sterben würde, wären die Gebäude fast nichts mehr wert

„Ohne Anwälte an einen Tisch“

Schutthaufen und geparkte Autos: So präsentiert sich derzeit der Wieragrund in Treysa. Der Bau des Einkaufszentrums ist aus Sicht von Christian Herche weiterhin erstrebenswert und auch realistisch.

Schwalmstadt. Seit mehr als einem Jahr sollte das Wieragrund-Einkaufszentrum in Betrieb sein, aber derzeit ist kein Baubeginn bekannt. Was bedeutet das für den örtlichen Handel, wie kann es weitergehen im Wieragrund? Ein Gespräch mit Christian Herche, Vorsitzender der HGV (Handels- und Gewerbevereinigung Treysa).

HNA: Im Wieragrund herrscht weiter Stillstand. Was jetzt?

Christian Herche: Es ist Zeit für Mediation [siehe Hintergrund], es sollte einen kräftigen Impuls geben, dass alle an den Verhandlungstisch zurückkehren, und zwar ohne Anwälte. Es gibt Lösungen, und die müssen möglichst schnell gefunden werden.

Sie meinen die Gruppe klageführenden Anlieger, welche Gründe treiben die an?

Herche: Es geht um berechtigte Interessen, auch um Geld, aber die Eigentümer sollten sich klar machen, dass ihre Immobilien im Moment stärker an Wert verlieren, als wenn gebaut würde. Beim Poker kann das Blatt nachher leer sein, sagt man ja. Und wenn der Standort sterben würde, wären die Gebäude fast nichts mehr wert.

Das klingt nicht sehr zuversichtlich.

Herche: Es gibt enttäuschte Erwartungen, die Stimmung ist nicht gut. Seit fünf Jahren treten wir auf der Stelle und hatten doch die Hoffnung, bereits das führende Mittelzentrum zu sein.

Das ist die Befindlichkeit, wie beschreiben Sie den Ist-Zustand?

Herche: Da brauchen wir unser Licht gar nicht unter den Scheffel zu stellen, es gibt in Schwalmstadt immer noch einen hohen Umsatz. Bei Oberbekleidung zum Beispiel sind wir gut aufgestellt, auch bei Schuhen. Ein Händler will gar nicht allein sein am Standort, Konkurrenz ist förderlich.

Deshalb fürchten Sie das Einkaufszentrum auch nicht?

Herche: Genau, es hat nach wie vor meine volle Zustimmung und auch die der Handels- und Gewerbevereinigung (HGV). Wir brauchen das Angebot vor Ort doch, Kundenfrequenz ist das große Zauberwort. Und es ist die perfekte Lage zwischen Kassel und Marburg.

Und wenn es doch nicht kommt?

Herche: Es wird kommen, da bin ich mir sicher. Das beste wäre es eben, wenn es mit den derzeitigen Investoren gelingt, damit es keinen noch größeren Zeitverzug gibt. Dazu sollte man jetzt einen professionellen Mediator engagieren.

Das Weihnachtsgeschäft liegt gerade hinter Ihnen, zufrieden?

Herche: Für unsere Kunden waren wir gefühlt nicht gut erreichbar nach all den Bauarbeiten, obwohl das gar nicht mehr aktuell ist. Aber Händler kommt von Handeln, man muss auf vielfältige Veränderungen reagieren, Nischen suchen, für den Kunden da sein, den Service verbessern. Gleichzeitig hat das Wetter überhaupt nicht gepasst. In der Oberbekleidung haben wir die Ziele sicher nicht erreicht, wie es im Bereich Schmuck und Unterhaltungselektronik aussieht, kann ich nicht bewerten.

Wie ist also die Lage?

Herche: Der Standort Schwalmstadt ist nach wie vor gut, unser Angebot ist für die Größenordnung seiner Städte hervorragend. Mit dem Einkaufszentrum Wieragrund schaffen wir es noch besser.

Wo steht man in drei Jahren?

Herche: Dann haben wir ein Einkaufszentrum, denn die Einsicht wird über Aversionen siegen. Für alle Anlieger wird eine Wertsteigerung ihrer Immobilien damit einher gehen.

Und in fünf Jahren?

Herche: Dann sind wir das Mittelzentrum und es gibt keinen Leerstand mehr, das ist durchaus realistisch. Dazu müssen jetzt aber alle Gas geben. Fotos:  1/Quehl/1Archiv

Von Anne Quehl

Quelle: HNA

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