Friedrich Keim steht seit 25 Jahren an der Spitze der Wolfhager Verkehrswacht – Sein Rat ist weiterhin gefragt

Ohne erhobenen Zeigefinger

Die Verkehrserziehung ist seine Herzensangelegenheit: Friedrich Keim verzichtet aber auf den erhobenen Zeigefinger. Foto: Laumann

wolfhagen. Wenn Friedrich Keim wissen will, wie die Gesellschaft tickt, setzt er sich in sein Auto. Auf Landstraßen und Autobahnen bekommt er ein Gefühl für die Hektik des Alltags. „Jeder will der Erste am Ziel sein“, sagt der 73-Jährige. Überall werde schnell und aggressiv gefahren. Mit einem Vorurteil räumt der Senior aber gleich auf. Nicht nur Fahranfänger würden kräftig Gas geben, auch Fahrer im gesetzten Alter. „Die Richtgeschwindigkeit ist noch nicht in allen Köpfen drin“, betont Keim, der seit 30 Jahren versucht, sie dort zu verankern. „Aber ohne erhobenen Zeigefinger.“ So macht er weiter – im 25. Jahr an der Spitze der Verkehrswacht Wolfhagen.

„Eigentlich kann das gar nicht sein“, sagt Keim und schüttelt den Kopf. „Es ist unglaublich, dass ich dieses Ehrenamt so lange ausübe.“ Er sei dort reingerutscht, sagt Keim.

Schon als Lehrer an der Kreisberufsschule Wolfhagen kümmert er sich um die Verkehrserziehung. Damals setzt er auf die eindringlichen Worte von Egon Hoegen - dem Sprecher der Fernsehsendung „Der 7. Sinn“. Das kommt gut an. Irgendwann zu gut. „Die Schüler haben sich über die Unfälle amüsiert, da musste ich mir etwas anderes einfallen lassen.“

Keims Arbeit spricht sich herum, er wird zum Bezirksfachberater Verkehrserziehung ernannt und kümmert sich auch um Schulen in Hofgeismar und Oberzwehren. „Und dann musste ich mit dieser Aufgabe ja was machen“, sagt Keim mit einem Lachen. Er wird Vorsitzender der Verkehrswacht Wolfhagen, die für den Altkreis zuständig ist, und arbeitet mit der benachbarten Verkehrswacht Waldeck-Frankenberg zusammen.

Besonders in Erinnerung geblieben ist ihm ein Besuch von Rennfahrer Christian Danner: „Der hat uns gezeigt, was ABS auf glatter Fahrbahn bringt. Der konnte ja Auto fahren“, sagt er anerkennend. Überhaupt die Technik. „Es hat sich viel verändert. Es gibt weniger schlimme Unfälle“, bilanziert der 73-Jährige.

Dennoch sieht er mit Sorge die Entwicklungen in der Verkehrserziehung. Ihr werde weniger Zeit eingeräumt. Auch sei es schwieriger, an Fördergeld zu kommen. Die Verkehrswacht Wolfhagen hat 100 Sponsoren. Ein weitereres Problem ist der fehlende Nachwuchs. Als Keim bei der Verkehrswacht eintritt, sind es 50 Mitglieder, inzwischen 39. Das Durchschnittsalter liegt bei 55 Jahren. „Da geht es uns wie vielen anderen Vereinen“, sagt der Vorsitzende.

Wenn es nach ihm geht, bleibt die Verkehrswacht noch lange erhalten. Schließlich sei ihr Rat weiter gefragt. Die Stadt schaltet den Beirat der Verkehrswacht ein, wenn es um Verkehrssicherheit geht. So wie damals in der Diskussion über die Fußgängerzone in der Schützeberger Straße. Auch klingelt bei Keim das Telefon, wenn Eltern Fragen zum Schulweg haben. Keim verspricht: „Ich kann keine Bäume ausreißen, aber ich mache, was geht.“

Von Anke Laumann

Quelle: HNA

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