Zimmerer in Zennern suchte jahrelang vergeblich nach Auszubildenden

Ohne Mathe läuft nichts

Lässt die Späne fliegen: Hendrik Schlechter aus Zennern absolviert seine Ausbildung im elterlichen Betrieb und studiert gleichzeitig Bautechnik an der Universität Kassel. Foto: Kessler

Zennern. Falk Schlechter hat zwei Ausbildungsplätze zum Zimmerer. Was ihm aber jahrelang fehlte, waren geeignete Bewerber. Schlechter ist Inhaber des Zimmereibetriebes Heinrich Bauer im Waberner Ortsteil Zennern.

In den vergangenen fünf Jahren bewarben sich schlicht keine geeigneten Kandidaten. „Ich lasse die jungen Leute ein Praktikum machen, dann schaue ich auf die Noten in Mathematik und Sport“, sagt Schlechter, der auch Lehrlingswart der Zimmereiinnung ist. Für das laufende Ausbildungsjahr habe sich schließlich ein Junge aus dem Ort beworben, der seinen Hauptschulabschluss mit guten Noten gemacht hatte.

Außerdem begann Schlechters Sohn Hendrik als erster Auszubildender ein duales Studium der Bautechnik an der Universität Kassel. Den praktischen Teil absolviert er im elterlichen Betrieb.

„Es war für mich schon immer klar, dass ich die Firma eines Tages übernehmen werde. Deshalb habe ich erst das Fachabitur gemacht, um Bautechnik zu studieren“, sagt Hendrik Schlechter. Die Möglichkeit des dualen Studiums (siehe Hintergrund) an der Universität Kassel habe sich kurzfristig ergeben, ansonsten hätte er Bauingenieurwesen studiert.

Ausbildung ist notwendig

Es müsse dringend mehr ausgebildet werden, da den mittelständischen Betrieben der Branche ein Fachkräftemangel drohe, prognostiziert Falk Schlechter. Gerade für junge Leute nach der Ausbildung müssten die Arbeitsbedingungen verbessert werden. Andernfalls würden viele in die Industrie abwandern oder andere Ausbildungsberufe wählen.

„Wir haben uns als Betrieb nicht auf einen Teilbereich der Zimmerei spezialisiert, sondern machen alles, von Dachstühlen bis zur Fachwerksanierung. Deshalb können wir umfangreicher ausbilden als viele andere Betriebe“, sagt er.

Die Klassen werden kleiner

Durch die geringe Zahl der Auszubildenden in einem Gewerk würden auch die Berufsschulklassen immer kleiner, ganze Schulen würden geschlossen. Die Zimmerer-Azubis aus der Region müssen bis nach Kassel zur Walter-Hecker-Schule fahren.

Über die Schule beteiligt sich die Zimmerei Heinrich Bauer an einem Lehrlingsaustausch mit einer französischen Berufsschule. Ab der kommenden Woche ist ein Franzose im Betrieb zu Gast, ein Lehrling aus Zennern geht im Januar nach Frankreich.

Kleine Betriebe bildeten oft gar nicht mehr aus, sagt Falk Schlechter. Die Innung unterstützt Ausbildungsbetriebe mit einer aus Umlagen finanzierten Ausbildungskasse, in die alle Mitglieder einzahlen. Daraus werden Sozialabgaben, Fahrtkosten zur Berufsschule und weitere Kosten teilweise erstattet. Betriebe, die nicht zur Innung gehören, erhalten diese Unterstützung nicht. Sie können sich daher oft überhaupt keine Lehrlinge leisten.

HINTERGRUND

Von Patrick Kessler

Quelle: HNA

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