Kundschaft der Tankstellen klagt über hohe Preise

Ohne Sprit geht’s nicht

Kennt sich aus: Herbert Hofmann hat im Kfz-Betrieb der Familie schon in den 50er-Jahren Kraftfahrzeuge betankt. Zunächst noch mit einer Handpumpe, ehe 1961 die ersten Zapfsäulen installiert wurden. Foto:  Norbert Müller

Naumburg. Als Tankwart hat man es zurzeit nicht gerade leicht: „Den ganzen Morgen kriege ich schon die Ohren vollgeknätet“, sagt Herbert Hofmann ist bestem nordhessischen Platt. Die Spritpreise haben kräftig angezogen, dementsprechend nörgelt die Kundschaft, die keine Wahl hat. Ohne Treibstoff geht es nicht.

Dabei haben die Autofahrer, die an diesem Tag in Naumburg bei Hofmanns tanken, noch Glück: In Wolfhagen kostet der Liter Sprit zur gleichen Zeit drei Cent mehr. „Wann wird’s denn wieder billiger?“ Diese Frage werde ihm am laufenden Band gestellt, sagt der 70-Jährige. Er antworte dann mit einer Gegenfrage: „Wann wird das Wetter wieder besser?“ Der Senior des Kfz-Meisterbetriebs an der Fritzlarer Straße in Naumburg will damit deutlich machen, dass er in die Preispolitik des Mutterkonzerns keinen Einblick hat. „Wir machen die Preise nicht.“

Zentrale steuert

Die Tanke der Hofmanns gehört zu Calpam. „Die Zentrale stellt bei uns von Aschaffenburg aus die Anzeigen am Preismast und an den Zapfsäulen um“, erklärt Herbert Hofmann. „Die rufen uns dann nur kurz an und sagen, dass sie jetzt die Preise umstellen.“

Am gestrigen Mittwoch war das gleich mehrfach der Fall. Am Morgen sei der Sprit erst teurer geworden, eine gute Stunde später dann wieder billiger. Die nächste Anhebung ist nur eine Frage der Zeit. Warum die großen Konzerne derart an der Preisschraube drehen? Herbert Hoffmann, der schon seit 1955 Benzin und Diesel im Familienbetrieb verkauft, ist überzeugt: „Aus Raff- und Gewinnsucht. Die wollen den Markt ausreizen, so weit, wie er es hergibt.“

„Die wollen den Markt ausreizen, so weit, wie er es hergibt.“

Herbert Hofmann

Sein Tipp für die Autofahrer, wie sie gegen die Preise protestieren könnten: „Lasst die Autos ab Freitag, wenn ihr fürs Wochenende eingekauft habt, bis Montag stehen und geht mal spazieren.“ So würde ordentlich Sprit gespart, und das würden die Konzerne durchaus merken.

Mickrige Gewinnmarge

Im eigenen Betrieb würde ein solches kurzzeitiges Verkaufsloch eher weniger zu Buche schlagen. Die Gewinnmarge sei bei den Tankstellen so mickrig, dass allein der Spritverkauf kaum noch lohne, und sie nehme auch nicht mit steigenden Preisen zu.

Einen kollektiven Kaufstreik der Autofahrer, den werde es aber wohl nicht geben. Die jährliche Menge des verkauften Sprits, sagt Meister Hofmann, sei in dem inzwischen von seinem Sohn geführten Betrieb trotz steter Verteuerung seit gut zehn Jahren ziemlich konstant.

Die Leute klagen zwar über steigende Treibstoffpreise, aber letztlich, so Herbert Hofmann, „lassen sie sich doch nicht beeindrucken“. Der Grund liege auf der Hand. Auf dem Land, weiß der 70-Jährige aus eigener Erfahrung, ist man über weite Strecken ohne Auto aufgeschmissen.

Von Norbert Müller

Quelle: HNA

Kommentare