Unbefristet in Psychiatrie: Mann aus dem Altkreis missbrauchte drei Jungen

Onkel mit Geldsäckchen

Schwalm. Er schien der harmlose Onkel von nebenan zu sein: Am Mittwoch musste sich ein 71-jähriger Mann aus dem Altkreis Ziegenhain vor dem Landgericht in Marburg wegen Kindesmissbrauchs in mindestens elf Fällen verantworten. Der Rentner, der jetzt in einem Seniorenheim im Landkreis Waldeck-Frankenberg lebt, soll im Jahr 2012 über einen Zeitraum von mindestens acht Monaten drei Jungen aus der unmittelbaren Nachbarschaft wiederholt sexuell missbraucht haben.

Der Anklagte

Laut Anklageschrift hat der Mann die Jungen, damals im Alter zwischen acht und elf Jahren, unter anderem an den Geschlechtsteilen berührt und in ihrem Beisein masturbiert. Sowohl bei der Polizei wie auch vor Gericht gab der auffällig zitternde und etwas naiv wirkende Mann die Taten unumwunden zu. Auf die Vernehmung der Kinder konnte verzichtet werden. „Ich bekenne mich schuldig für das, was ich gemacht habe. Es tut mir alles sehr leid, aber es hilft ja nichts.“

Die Zeugen

Laut Zeugenaussagen besuchten ihn die Kinder, spielten bei ihm, übernahmen auch mal das Mähen des Rasens oder brachten Feuerholz in die Wohnstube. Ab und zu saß der Mann bei der Familie des Jungen, der am schwersten von den Taten des Mannes betroffen ist, am Mittagstisch oder bei einer Tasse Kaffee. Alles schien normal, alles war vordergründig in Ordnung, die Kinder gingen gerne rüber – lediglich die großen Geldgeschenke des ehemaligen Hilfsarbeiters lösten Verwunderung aus. „Immer wieder hingen Geldsäckchen am Fenster. Fürs Rasenmähen gab es schon mal bis zu 30 Euro und Weihnachten 200 Euro“, berichtete die Mutter eines der Opfer in der Verhandlung.

Die Homosexualität

Erst durch einen Zufall kamen die Taten des damals 69-jährigen ans Tageslicht. Davon berichtete ein Zeuge. Der am schwersten betroffene Junge habe mit ihm auf der Straße gegenüber dem Wohnhaus des Angeklagten gestanden. Beide reparierten gemeinsam ein Auto. Als er in Anspielung auf die Homosexualität des Täters flapsig zu dem damals Elfjährigen sagte: „Hoffentlich guckt er mir nichts weg“, sprudelte es aus dem Jungen heraus. „Es war, als ob ein Knoten platzte“, schilderte der Zeuge die beklemmende Situation.

Die Folgen der Tat

Die Folgen des Missbrauchs sind für das Nachbarkind dramatisch und verfolgen den Jungen bis heute. „Er schläft nicht mehr in seinem Kinderzimmer, obwohl wir alles neu gekauft haben. Nachts liegt der Junge neben mir und zittert am ganzen Körper“, schilderte die Mutter unter Tränen. Selbst scheinbar alltägliche Dinge wie das Kochen einer Tütensuppe lösen bei dem Jungen Angstgefühle aus. „Tütensuppe gab es immer drüben“, erklärte die Mutter dem Vorsitzenden Richter den Zusammenhang. Auch die Großmutter eines der Kinder ist fassungslos über das Verhalten ihres Ex-Nachbarn: „Den Jungen hast du für sein Leben versaut. Ich hatte Mitleid mit Dir und zum Dank hast Du meinen Enkel missbraucht“, wandte sie sich dem Angeklagten mit fester Stimme zu.

Das Urteil

Am Ende der mehrstündigen Verhandlung fällte das Gericht sein Urteil: Unbefristete Unterbringung in einem psychiatrischen Krankenhaus unter strenger Kontrolle und drei Jahre Haft. „Die Höhe der Strafe resultiert aus dem Gewicht der Tat und dem Gewicht der Schuld, welche der Täter auf sich geladen hat“, erklärte der Richter in seiner Begründung. Das umfassende Geständnis, das hohe Alter, die beginnende Demenzerkrankung und ein außergerichtlicher Vergleich zwischen Täter und Opfern wertete das Gericht zugunsten des Angeklagten.

Von Matthias Haaß

Quelle: HNA

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