Kasseler Stottertherapie mit Sitz in Bad Emstal erhielt E-Learning-Preis des Jahres 2013

Online gegen das Stottern

+
Selbst einst schwerster Stotterer: Dr. Alexander Wolff von Gudenberg vor dem Laptop mit der so genannten Sprechkurve. Stotterern weltweit kann nun geholfen werden.

Bad Emstal. Telefonate sind eine Qual und lockeres Drauflosplaudern wird zur Belastungsprobe: Was für die meisten Menschen nicht der Rede wert ist, bedeutet für Stotterer puren Stress. Für die weltweit einzigartige Entwicklung einer Online-Therapie gegen das Sprach-Handicap wurde die Kasseler Stotter-Therapie nun ausgezeichnet.

Für die in Bad Emstal ansässige Kasseler Stotter-Therapie, dem angeschlossenen Parlo-Forschungsinstitut sowie der auf Internetkommunikation spezialisierten vitero gab es auf der Bildungsmesse didacta den E-Learning Preis 2013.

„Mit unserer Internet-Plattform können stotternde Menschen über Kontinente hinweg von Sprachtherapeuten betreut werden“, sagt Institutsleiter Dr. Alexander Wolff von Gudenberg. Das Projekt nehme weltweit eine Vorreiterrolle ein, denn bisher habe es keine internetbasierte Plattform gegeben, die es ermöglicht hätte, im internationalen Rahmen eine effektive Sprechtherapie anzubieten.

„Viele Elemente unserer stationären Therapie lassen sich auch in die virtuelle Welt übertragen“, sagt von Gudenberg. So stehe das Erlernen einer neuen Sprechweise im Zentrum. Mit Hilfe des Computerprogramms „flunatic“ werde das für Stotterer problematische „weiche“ Sprechen geübt. Über 5000 verschiedene Aufgaben bietet die Software – einzelne Silben, Vokale oder auch die anspruchsvolle Silbenbildung können via Headset eingesprochen werden. Anhand einer so genannten Sprechkurve erhält der Stotterer dann eine optische und akustische Rückmeldung; etwa ob er der Stimmeinsatz weich genug gestaltet hat oder seine Vokaldehnung dem Normalmaß entspricht. Nach einem zweiwöchigen Intensivkurs werden die 315 Patienten, die die Hilfe der Kasseler Stottertherapie jährlich in Anspruch nehmen, in einem Nachsorgeprogramm betreut.

„Einen dieser stationären Auffrischungskurse haben wir im vergangenen Jahr durch die Online-Therapie ersetzt, um das Modell zu erproben“, sagt von Gudenberg. Dabei kommuniziert eine Gruppe von nicht mehr als vier Patienten mit einem Therapeuten via Webcam an einem virtuellen Tisch.

Therapie bis nach Kuwait

Besonders hebt der Institutsleiter den Fall eines Stotterers aus Kuwait hervor, der seit zehn Monaten von Bad Emstal aus auf Englisch therapiert wird – in seiner Heimat hätte er eine Therapie vergleichbarer Qualität nicht finden können. Der Erfolg sei so überwältigend gewesen, dass es bereits Anfragen aus Peru und Australien gebe. Zurzeit laufe eine Machbarkeitsstudie in Brasilien, um auch eine portugiesische Version umzusetzen.

Von Emily Spanel

Quelle: HNA

Kommentare