Günther Vollmar spielt seit 50 Jahren die Orgel in der Kirchengemeinde Haddamar

Organist aus Leidenschaft

50 Jahre im Dienst der Kirche: Günther Vollmar freut sich auf den Gottesdienst und das anschließende Fest in der Gemeinde Haddamar freut. Foto: Gewert

Haddamar. Schlichte Fenster zieren die Kirche in Haddamar. Das Gotteshaus ist leer und still. Günther Vollmar liebt diesen Ort. Er sitzt an der Orgel, führt seine Hände zu den Tasten des Instruments – und dann erklingt das Präludium von Bach.

Vollmar probt für seinen großen Auftritt: 50 Jahre steht er als Organist im Dienst der Kirche. Ein Anlass, den es zu feiern gilt. Die Gemeinde veranstaltet zu Ehren von Günther Vollmar ein Fest.

Die Musik spielte im Leben des 65-Jährigen schon immer eine wichtige Rolle. Sie ist in seiner Familie tief verwurzelt.

„Das hat mein Großvater, Karl Vollmar, möglich gemacht. Er trug trotz seiner spärlichen Rente die Kosten“, sagt Vollmar.

„Wenn man Orgel spielen will, gehört die Familie dazu.“

Günther Vollmar

Seine Tochter Nadine hat Kirchenmusik studiert. Sie und seine Frau Rita unterstützen ihn. „Wenn man Orgel spielen will, gehört die Familie dazu“, sagt der 65-Jährige. „Man ist an die Kirche gebunden“, fügt der Organist hinzu, der mit seiner Frau in Niedenstein lebt.

Zunächst nahm er viereinhalb Jahre Klavier- und ein halbes Jahr Akkordeon-Unterricht. Dann entdeckte er die Kirchenorgel für sich. Sie ist für ihn die Königin der Instrumente. Seine Lehrerin war die Fritzlarer Bezirkskantorin Helma Fischer. Von 1964 bis 1998 spielte er in der Gemeinde Ermetheis. Er übernahm dort die Organistenstelle seiner Klavierlehrerin Martha Schönhaar. Seit 1999 spielt er in Haddamar.

Seine Hände gleiten weiter über die Tasten, wandern durch die Harmonie der Musik. Das Jubiläum ist auch ein Moment, um inne zu halten. Vollmar blickt auf den Wandel in der Kirche zurück: Gemeindefeste habe es früher nicht gegeben. Die Lieder seien lockerer und rhythmischer geworden. „Musik öffnet die Herzen“, sagt er. Als er auf einer Hochzeit das Lied „Ein schöner Tag“ anstimmte, fingen die Leute erst an zu summen, dann sangen sie mit. „Ich will der Gemeinde Melodien ins Ohr bringen und die Menschen bewegen“, sagt er.

Vom Acker in der Kirche

Manchmal komme es auch vor, dass er eine Strophe zu viel oder zu wenig spiele. Vollmar erinnert sich auch an eine Begebenheit, bei der er fast seinen Einsatz verpasst hätte. Beim Jauche fahren auf einem Acker habe er erfahren, dass er eigentlich in der Kirche bei einer Hochzeit hätte spielen sollen. In seiner Arbeitskleidung sei er zur Kirche geeilt – fast hätte die Hochzeit ohne ihn angefangen, erzählt Vollmar und lacht.

Der Versicherungskaufmann ist sehr engagiert und gewissenhaft. Sein Motto lautet: „Glauben und Kulturgut erhalten wir nur durch Engagement.“ Und danach lebt er. „Zu einem Gottesdienst gehören Gesang und Musik. Ich freue mich, wenn wir einen schönen Tag feiern können“, meint er zum kommenden Sonntag, an dem jeder zu dem Gottesdienst mit anschließendem Fest eingeladen ist. Die Feier beginnt um 14 Uhr in der Kirche zu Haddamar.

Von Marie-Therese Gewert

Quelle: HNA

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