Organspende war Thema bei Diskussion mit Bischof Hein

Sprachen in Ziegenhain über das Thema Organspende: Von links Dr. Andreas Hettel (Transplantationsbeauftragter Klinik Ziegenhain), Dekan Christian Wachter, Bischof Dr. Martin Hein und Pfarrer Dierk Glitzenhirn. Foto: Braun

Ziegenhain. Über das Thema Organspende sprachen bei einer Veranstaltung in Ziegenhain Bischof Dr. Martin Hein und Chefarzt Dr. Andreas Hettel. Dabei ging es sowohl um ethische Fragen, als auch um Erfahrungen, die Dr. Hettel im Krankenhaus in Ziegenhain gemacht hat.

? Wer war an der Veranstaltung beteiligt?

!Den Eröffnungsvortrag hielt Dr. Martin Hein. Er ist Bischof der Evangelischen Kirche Kurhessen-Waldeck und seit zwei Jahren Mitglied im Deutschen Ethikrat. Anschließen referierte Dr. Andreas Hettel. Er ist der Transplantationsbeauftragte am Klinikum Ziegenhain. Dort ist er Chefarzt für Anästhesie, Intensiv- und Notfallmedizin. Laut Organisator Dierk Glitzenhirn kam der Impuls für die Veranstaltung von der Melanchthonschule.

? Welche Meinung vertritt der Bischof?

!Er sagte, dass er prinzipiell kein Gegner der Organspende sei. Für ihn geht es bei der Diskussion um die Frage, ab wann ein Mensch eigentlich tot ist. Aus seiner Sicht seien hirntote Patienten keine toten, sondern sterbende Menschen. Er verwies auf den Ethikrat, in dem es zwei Auffasssungen gebe. Die einen, die wie er, den Hirntod nicht als ausreichendes Kriterium ansehen, und die anderen, für die der Hirntod als Kriterium ausreicht.

? Was bemängelte der Bischof?

!Den Vorgang vor und nach der Feststellung des Hirntodes. Dass die Organe quasi im Sterbeprozess präpariert und dann bei Feststellung schnell entnommen werden müssten, sei aus seiner Sicht ein Eingriff in den Sterbeprozess.

? Was schlägt der Bischof vor?

!Menschen müssten sich frühzeitig mit dem Thema befassen. So müsse im Vorfeld geklärt werden, was bei einem Hirnfunktionsausfall, der nicht umkehrbar ist, passieren soll. Für Angehörige und Ärzte sei die Beantwortung dieser Frage stellvertretend für den Patienten eine große Last. Der Bischof fordert eine klare rechtliche Regelung für Ärzte und Angehörige.

? Wie ist die Lage in Deutschland?

!Laut Bischof Hein gibt es einen Mangel an Organen, dies liege auch an Skandalen aus der Vergangenheit. Die Bereitschaft zur Organspende sei in Deutschland weniger verbreitet als beispielsweise in Österreich. Dort gilt aber auch die Widerspruchsregelung. Das heißt, wenn ein Mensch nicht explizit widerspricht, ist er automatisch Organspender. In Deutschland gilt hingegen die erweiterte Zustimmungsregelung. Danach muss jeder, der als Organspender zur Verfügung stehen will, dies in einer Willenserklärung festlegen. Wenn die verstorbene Person zu Lebzeiten weder zugestimmt noch widersprochen hat, dürfen bei der erweiterten Zustimmungsregelung aber Angehörige der Organentnahme zustimmen.

? Welche ethischen Ansichten gibt es?

!Für den Bischof stellt sich die Frage, wem der eigene Körper gehört. Entweder einem jeden selbst oder aber der Gesellschaft. Daraus folge die Frage: Wer darf über den eigenen Körper verfügen? Ein weiterer Punkt aus Sicht der christlichen Ethik sei das Sterben, um einem anderen Menschen das Leben zu ermöglichen.

? Was sagt Facharzt Dr. Andreas Hettel?

!Er sprach sich für eine Widerspruchsregelung aus, wie sie in Österreich der Fall ist. Dort müssen sich Menschen ausdrücklich gegen eine Organspende aussprechen, andernfalls sind sie automatisch Spender. Für Ärzte und Angehörige sei es laut Hettel enorm schwierig, den mutmaßlichen Willen des Patienten zu erkennen, wenn dieser keinen Organspendeausweis besitzt. Wenn weder Arzt noch Angehörige den Willen des Verstorbenen ausmachen könnten, sei eine Spende nicht möglich.

? Welche Erfahrungen sammelte Dr. Andreas Hettel?

! Nach eigenen Aussagen beschäftigt sich der Arzt seit 20 Jahren mit dem Thema Organspende. In dieser Zeit habe er circa 15 bis 20 Organentnahmen erlebt. In den vergangenen drei Jahren in Ziegenhain habe man eine solche Transplantation vorgenommen. Nur in den seltensten Fällen seien die Spender auch Unfallopfer. Für Organspender gebe es keine Altersgrenze.

? Wird bei potenziellen Organspendern alles für lebensrettende Maßnahmen getan?

!Laut Dr. Andreas Hettel eindeutig Ja. Man wolle und müsse Patienten gleich behandeln, egal ob mit oder ohne Spendeausweis. Zudem entwickele sich der Prozess bis zum Hirntod langsam. „Wir wissen vorher nicht, wann ein Mensch einen Hirntod erleiden wird.“

? Wissen Ärzte, an wen welche Organe gehen?

!Nein, laut Hettel ist der Vorgang anonymisiert. Die Ärzte bekämen etwa vier bis sechs Wochen nach dem Eingriff einen Bericht, wohin die Organe gegangen sind, oder woher sie kamen. Nur, falls Empfänger sich bei Familien von Spendern bedanken möchten, gebe es spezielle Vermittler.

Quelle: HNA

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