Felsberg benennt Straße im Neubaugebiet Triesch nach Elisabeth Selbert

Ortsbeirat wollte eine Frau

Ortsbegehung: Für den Ortsbeirat übergab Katja Pucelik-Speyer Anwohnern und Gästen ein Buch über das Leben von Elisabeth Selbert. Foto: nh

Felsberg. Die Stadt Felsberg hat eine Straße im Neubaugebiet Triesch nach Elisabeth Selbert benannt. Den Vorschlag hatte der Ortsbeirat eingebracht.

Das Neubaugebiet Triesch selbst ist nach einem Flurnamen benannt, liegt am Felsberger Ortsausgang in Richtung Niedervorschütz und bietet nach Verwaltungsangaben nach wie vor freie Bauplätze. Ortsvorsteherin Gitta Hentschker-Kranixfeld hatte den Vorschlag eingebracht, eine der Straßen nach Elisabeth Selbert zu benennen. Der Ortsbeirat begrüßte dies nicht zuletzt mit Blick auf bislang erst zwei nach Frauen benannten Straßen in der Drei-Burgen-Stadt. Unterstützung erhielt das Gremium auch vom städtischen Kinder- und Frauenbeirat sowie der Frauenbeauftragten, heißt es in einer Pressemitteilung.

Elisabeth Selbert, die mit Mädchennamen Rhode hieß, wurde als zweite von vier Töchtern am 22. September 1896 in der Kasseler Unterneustadt geboren. Ihr Vater arbeitete als Aufseher in der benachbarten Jugendstrafanstalt „Elwe“. Durch seine Arbeit wurde Elisabeth Selberts Interesse für die Rechtswissenschaften geweckt.

In ihrer Ausbildung wurde sie zuerst von ihren Eltern, später von ihrem Mann Adam Selbert unterstützt. Im Alter von 30 Jahren machte sie auf dem zweiten Bildungsweg ihr Abitur. Damals hatte sie bereits zwei Söhne, die 1921 und 1922 geboren waren. Selbert studierte Jura in Marburg und Göttingen und promovierte 1930 über das Thema „Ehezerrüttung als Scheidungsgrund“. Selbert war nach Ende des Ersten Weltkriegs in die SPD eingetreten und begleitete damals Kassels Oberbürgermeister Philipp Scheidemann häufig bei Wahlveranstaltungen. 1932 kandidierte die Juristin für den Reichstag, wurde aber nicht gewählt.

Auch Selberts Kandidatur für den Bundestag scheiterte. Die Juristin saß allerdings von 1946 bis 1958 im Hessischen Landtag. Zudem war sie 1948 als eine von vier Frauen in den Parlamentarischen Rat entsandt worden, um in Bonn am Grundgesetz für die Bundesrepublik Deutschland mitzuarbeiten. Der Hartnäckigkeit von Elisabeth Selbert ist es zu verdanken, dass Artikel 3, Absatz 2 („Männer und Frauen sind gleichberechtigt“) schließlich ins Grundgesetz aufgenommen wurde.

Die Juristin, die noch mit 85 Jahren in ihrer Kanzlei arbeitete, starb am 9. Juni 1986 im Alter von 89 Jahren in Kassel. (lgr / use)

Quelle: HNA

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