Jakobskraut auf dem Vormarsch: Ottrauer weisen auf Gefahr hin

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Dicht an dicht: Erich Krämer (links) und Horst Kraft auf einer stark befallenen Fläche unterhalb des Weißenbörner Kalkberges.  

Ottrau. Das giftige Jakobskraut breitet sich immer mehr den Äckern von Landwirten aus. Befallen sind auch Flächen um Ottrau.

„Da im Straßengraben wächst es schon, auch auf dieser jetzt gemähten Wiese habe ich es vor Kurzem gesehen gesehen“, erklärt Horst Kraft auf der kurzen Fahrt hinauf zum Kalkberg bei Weißenborn. Der Wagen des Ottrauer Landwirts, der in der teilweise naturgeschützten Gemarkung Grünflächen pflegt, stoppt auf einem Feldweg neben einer üppig wuchernden Wiese.

Auf dem ehemaligen kargen Acker macht sich hüfthoch das giftige Jakobskraut breit soweit das Auge reicht. Im Nordostwind schwebt flaumig-weißer Pflanzensamen davon. „Der jüngste HNA-Bericht, wonach in Hessen noch keine größeren Flächen befallen sein sollen, stimmt einfach nicht“, sagt der 60-Jährige und reißt einen Stängel aus. Die meisten könnten die gelbe Blume mit den 13 Blütenblättern nur noch nicht erkennen beziehungsweise von einer Reihe sehr ähnlichen Pflanzen unterscheiden. Vor zwei Jahren zeigten sich im Raum Ottrau die allerersten Exemplare, „jetzt ist das Kraut kaum noch stoppen“. Dagegen helfe nun bloß noch „aufklären, erkennen und bekämpfen“. Kraft und sein Kollege Erich Krämer (66) warnen eindringlich davor, die Ausbreitung der Pflanze auf die leichte Schulter zu nehmen. Der Samen des Lichtkeimers, der vergleichbar Löwenzahn mit dem Wind weite Strecken zurücklegen könne, bleibe misslicherweise jahrzehntelang keimfähig. Landwirte haften für das Heu

Auf den Magerrasen am Weißenbörner Kalkberg entwickelt sich das Jakobskreuzkraut sichtlich prächtig. Keine Düngung, späte Mahd, nährstoffarmer Boden – laut Horst Kraft findet es hier Idealbedingungen vor. Der Landwirt spricht sich für ein zeitiges Mähen befallener Flächen aus, die sicherste Vernichtung sei das Verbrennen des Heus. Verfüttert werden dürfe es keinesfalls, somit sei das Heu wertlos. Landwirte, aber auch alle für Wegraine, Straßenränder und öde Flächen zuständigen Behörden sollten gleichermaßen wachsam sein und seien dies meist auch. „Es darf nicht versäumt werden, es zu vernichten“, mahnt Kraft. Dazu sei insbesondere Landwirten zu raten, weil sie für ihr Heu und ihre Silage produkthaftbar seien. Während viele Nutztiere das Kraut nämlich auf der Weide verschmähten, wird es im getrockneten oder silierten Zustand unbemerkt mitgefressen. Außerdem sollte die Ausbreitung „im Sinne der Allgemeinheit verhindert werden“, finden Kraft und Krämer. Schließlich könne die Pflanze sogar beim Menschen Vergiftungen und Allergien hervorrufen. Aber: „Wenn man nichts tut, rast es ungebremst los.“ (aqu)

Quelle: HNA

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