Alke und Eberhard Schrader haben ein feines Gehör

Ehepaar hört mit vogelkundlichen Wanderungen auf

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Wo ist das Spechtloch? Bei den Vogelstimmenwanderungen in der Ederau auf dem Mühlengrabenpfad hatten Alke und Eberhard Schrader immer viel zu erklären und zu zeigen. Hunderte begleiteten sie in den vergangenen Jahrzehnten.

Fritzlar. Viele verschiedene Vogel-Stimmen sind im Moment zu hören. Allerdings erkennen die meisten Menschen die Sänger nicht auf Anhieb. Anders geht es da Alke und Eberhard Schrader aus Fritzlar. Sie haben ein geschulte Gehör, denn sie kennen sich aus bei Vogelstimmen. 

In den vergangenen 25 Jahren haben sie ihr Wissen bei vogelkundlichen Wanderungen an zahlreiche Menschen weitergegeben. Doch damit ist nun Schluss. Die Senioren geben aus Alters- und Gesundheitsgründen ihr Hobby auf.

Stets im April, Mai und Juni führten sie frühmorgens unterschiedliche Gruppen durch die Landschaftsschutzgebiete Eckerich und Ederau. Dabei machten sie auf das aufmerksam, was es von den gefiederten Tieren zu hören gab.

April ist die beste Zeit 

Wenn die Ederau das Ziel war, ging es von der Heilig- Geist-Kapelle am Malerwinkel entlang, weiter am Mühlengraben bis zum Ederwehr, durch das Erlenwäldchen zur Streuobstwiese und den Fischteichen, dann zurück zum Schwimmbad. Die beste Zeit, so Eberhard Schrader, sei der April. Denn dann sei meist noch sehr wenig Laub an Bäumen und Büschen, so konnte man auch einen Blick auf die tierischen Sänger erhaschen.

In den vergangenen 25 Jahren, in denen die Hobby-Ornithologen ihre Führungen anboten, nahmen mehrere hundert Gäste daran teil, unter ihnen auch Schul- und Kindergartengruppen. „Das war für die Kinder immer ein großes Erlebnis“, sagen die Schraders und freuen sich darüber.

Zugleich sind sie ein wenig wehmütig. Entstanden sind die Führungen 1985, als der Agrarwissenschaftler und Hobby-Ornithologe Horst Schaub aus Willingshausen in der Schwalm das Ehepaar Schrader ansprach, bei einer Vogel-Zählung im Bereich der Ederau mitzuarbeiten. Das machte den Schraders gleich so viel Spaß, dass sie ihr ursprüngliches Kontrollgebiet Ederau um das Landschaftsschutzgebiet Eckerich und den Bereich an der Eder bei Obermöllrich erweiterten.

Dieser Einsatz sei ein kleiner und zugleich wesentlicher Beitrag für die Hessische Gesellschaft für Ornithologie und Naturschutz, kurz HGON, gewesen, wissen die Schraders. Viel Zeit und Akribie forderte die Mitarbeit der Schraders am HGON-Buch „Vögel in Hessen“ ein. Vier Jahre haben sie daran mitgearbeitet. Darin wurden die Brutvögel Hessens erfasst. Ganz Deutschland sei in kleine Kastaster aufgeteilt worden. Alke und Eberhard Schrader waren für den Bereich Fritzlar zuständig.

Eisvogel war plötzlich da 

Besonders gefreut haben sich die Schraders, wenn bei den Führungen neben den Vogelstimmen auch die Sänger ausfindig gemacht wurden. So erzählte Alke Schrader, dass man nach einer Führung in der Ederau bereits vom Ederwehr in Richtung Schwimmbad unterwegs war, als plötzlich ein Eisvogel auftauchte und diese Führung zu einem ganz besonderen Erlebnis machte. Auch wurden öfter Seeadler und Milane über den Fischteichen beobachtet.

Es hat den ehemaligen Lehrer Spaß gemacht, die Vogelwelt zu erkunden. Alke Schrader war bis 2000 Lehrerin an der Fritzlarer König Heinrich-Schule für Biologie, Chemie und Erdkunde, Eberhard Schrader unterrichtete die gleichen Fächer bis 1996 an der Theodor-Heuss-Schule in Homberg.

Und jetzt wäre es schön, sagen sie, wenn sich jemand finden würde, der ihre lange Tradition fortsetze. Die heimischen Vögel, deren Lebensräume und Arterhaltung liegt ihnen sehr am Herzen. Sie würden auch helfen und hätten reichlich Informationen für ihre Nachfolger.

Kontakt: Alke und Eberhard Schrader, Fritzlar. Telefon: 05622/1539.

Von Peter Zerhau

Quelle: HNA

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