Karl Wilhelm Hoffmann wird morgen 90 Jahre alt und muss regelmäßig zur Dialyse

Ein paar gewonnene Jahre

Lässt sich die Lebensfreude nicht nehmen: Karl-Wilhelm Hofmann aus Melsungen bei einer Dialysesitzung                                Foto: Slawik/nh

Melsungen. Mit 87 Jahren hat der Melsunger Karl-Wilhelm Hofmann erfahren, dass seine Nieren nicht mehr funktionieren. Seitdem geht er dreimal in der Woche zur Dialyse. Die Lebensfreude des Mannes, der morgen 90 Jahre alt wird, ist trotz der anstrengenden Blutwäsche ungebrochen.

Die Nachricht, dass die Nieren ihren Dienst versagen, „war für mich ein kleiner Schock, denn ich war bisher immer gesund gewesen“, erzählt Hofmann. „Ich habe mich schwach und lustlos gefühlt. Und das Schlimmste war, dass ich nicht mehr tanzen konnte.“ Zusammen mit seiner Frau Irmgard, mit der er seit fast 42 Jahren verheiratet ist, tanzte er regelmäßig auf Turnieren, auch noch im hohen Alter.

„Wenn dieser Doktor nicht wäre, wäre ich auch nicht mehr.“

Karl-Wilhelm Hofmann

Als er mit den Dialysesitzungen im Melsunger Dialysezentrum unter der Obhut von Dr. Roman Günthner begann, ging es wieder bergauf. „Wenn dieser Doktor nicht wäre, wäre ich auch nicht mehr“, sagt Hofmann. Obwohl die vierstündigen Dialysesitzungen dreimal pro Woche stattfinden, fühle er sich nicht eingeschränkt, sagt Hofmann. „Ich freue mich über jeden Tag, den ich leben kann.“

Am 5. September 1920 wurde Hofmann in Melsungen geboren. Schon zu seiner Schulzeit war schnell klar: „Das ABC und das Rechnen waren nicht mein Fall, ich wollte etwas mit Maschinen machen.“ Deshalb begann er nach der Volksschule eine Schlosserlehre bei der B. Braun Melsungen AG, später erhielt er auf einer Militärschule den Meisterbrief als Mechaniker.

„Mit Fahrrad, Zange und Schraubenzieher ging es dann los“, erinnert sich der Jubilar. Er stellte sich auf dem Finanzamt vor und bot an, Maschinen zu reparieren. „Das war für mich der Einstieg in den Beruf.“

Schlüsseldienst

Als Selbstständiger mit eigenem Geschäft an der Kasseler Straße in Melsungen reparierte und verkaufte Hofmann Büro- und Nähmaschinen, später auch Fernseher. Außerdem bot er einen Schlüsseldienst.

Selbst heute noch - er ist fast 25 Jahre im Ruhestand - rufen Menschen bei ihm an, die sich ausgeschlossen haben und seine Hilfe brauchen. „Ich bedauere es sehr, dass ich keine Türen mehr öffnen kann. Es hat mir Spaß gemacht, Menschen zu helfen“, sagt Hofmann. „Aber ich bin zu alt. Wenn das Werkzeug nicht so schwer wäre, würde ich es machen.“

Bei so viel Begeisterung für Maschinen aller Art ist es nicht verwunderlich, dass es auch eine Maschine ist, die Hofmann heute Lebensqualität schenkt.

Zur Feier des Tages lädt das Geburtstagskind Freunde und Verwandte morgen zum Essen ein. Am Dienstag fährt er mit seiner Frau in Urlaub nach Bad Wörishofen. Dort möchte er auch wieder tanzen. Hintergrund

Von Till Slawik

Quelle: HNA

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